Artikel-Schlagworte: „Zeit“

Alles was mit Vögeln zu tun hat…

geschrieben von: doalittle - am 9. Mai 2010
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ups, natürlich meinte ich Vögel…deutsche Sprache ist wirklich eine schwierige Sprache. Alles was mit Vögel zu tun hat, war das Motto des Frühlingskonzertes verschiedener Chöre in unserem Ortszentrum. Ca. 75 Kinder waren anwesend und haben zu diesem Thema einstudierte Lieder und Canon zum Besten gegeben. Ein Chor hatte sogar einen Überraschungsgast mitgebracht - eine schwarze Henne. Obwohl es sich um Kinder im Volksschulalter handelte, haben sie die Lieder in verschiedenen Sprachen verständlich dargeboten und vor allem 3stimmig gesungen - laut, falsch und mit Begeisterung. Nein, nein das war jetzt nur gescherzt - ich selber war von der Vorstellung hingerissen und so manches Lied ist mir unter die Haut gegangen.

Nur eines hat mich etwas traurig gemacht - Normalerweise ist der Saal überfüllt und alle Sitzplätze nach kurzer Zeit vergeben. Und obwohl das Konzert erst um 18.30 Uhr angefangen hat, waren kaum Eltern anwesend, Sitzplätze sind leer geblieben und wären nicht ein paar Ehrengäste, Lehrer und Elternvereinsvertreter anwesend gewesen, hätten die Kinder vor einer wirklich geringen Anzahl von Zuschauern singen müssen. Ich war nicht nur überrascht, sondern vor allem traurig darüber. Es stimmt schon, dass ich auch nicht immer an allen schulischen Veranstaltung anwesend sein konnte, aber dann hatte ich zumindest eine Vertretung aus der Familie dort. Schließlich ist es doch eine besonders große Freude für Kinder Ihr Können zu präsentieren und mit allen Anwesenden den Auftritt zu feiern und zu würdigen. Mein Mutterherz macht es einfach stolz, zu sehen, wie viel Freude die Kleinen auf der Bühne haben können und meist auch keine Scheu vor einem öffentlichen Auftritt zeigen.

Ich werde nie die strahlenden Augen meines Jungen anlässlich einer Weihnachtsvorstellung im Kindergarten vergessen, als er mich in der 3. Reihe entdeckt hat und überwältigend die Rolle des Sterns wahrgenommen hat. Leider werden solche Veranstaltungen nur mehr selten organisiert, da sie meist unbedankt und wirklich zeitaufwendig in der Vorbereitung sind. Daher genieße ich umso mehr, wenn meine Kleinen die Möglichkeit dazu haben. Viele fühlen sich gegen Schulschluss besonders gestresst - so viele Termine heisst es da. Wir haben in unserer Familie hier Prioritäten vergeben und so sehen wir jeder Veranstaltung entspannt entgegen. Für mich ist es sogar eine Einstimmung auf die Ferien und die warme Jahreszeit. Abends haben wir keine Eile, da die Kinder erst bei Dunkelheit Müdigkeit verspüren und morgens meist mit dem Sonnenaufgang wieder aufwachen. Unsere gesamte Familie kann soziale Kontakte auffrischen, pflegen und neue knüpfen. Aus manchen Bekanntschaften werden manchmal sogar intensive Freundschaften. Und ganz besonders freue ich mich immer wieder, wenn mich die Kleinen unter den Zuschauern entdecken und ein Hauch von Freude und Glück über Ihr Gesicht huscht. Meistens verschwindet die anfängliche Anspannung und macht der Begeisterung Platz. Besonders lustig war ein Erlebnis mit dem kleinen Bruder, welcher einen unbeobachteten Augenblick, da ich die Kamera bediente, ausnutzte und zu seiner großen Schwester auf die Bühne stürzte. Nur mit Mühe war er wieder wegzubekommen und hat das Publikum zum Lachen gebracht. Leider bekam ich große Vorwürfe damals zu hören, welche ich heute nicht mehr so ernst nehmen würde. Damals war mein Nervenkostüm nur leider sehr dünn, da es die erste Veranstaltung für mich ohne Begleitung meines Ehemannes war und ich mit meinem kleinen Baby und unterdrückten Tränen den Saal rasch verließ, um meine aufbrausenden Gefühle in der kalten Winternacht wieder zum Beruhigen zu bringen.

Rückblickend war es gar nicht das erste Mal - aber im Bewusstsein habe ich damals vieles das erste Mal wahrgenommen. Daher kann ich nur jeden darauf hinweisen, die verschiedenen Lebensabschnitte, vor allem mit den Kindern, stressfrei und bewusst zu verbringen - denn realistisch gesehen, kann man fast auf der Hand die Anzahl der Weihnachtsfeiern, Schulabschlüsse etc. abzählen, welche wir mit den Kindern gemeinsam feiern dürfen. Dies sehe ich auch im Erleben der Jahreszeiten, nachdem ich mal abgezählt habe, wie viele ich vielleicht noch erleben werde, wenn ich von der durchschnittlichen Lebenserwartung mal ausgehe.

Und so erfreue ich mich an jedem Gewitter, jedem Sonnenauf- oder Untergang, jedem Schneefall. Und wenn es die Zeit zulässt, können wir von den Kleinsten besonders viel lernen, wie viel Freude sie an den Kleinigkeiten in der Umgebung haben - minutenlang stehen sie vor einer Lacke und beobachten die auseinanderrollenden Wasserwellen beim Heineintippen. Oder wie schnell füllen sich die Gummistiefel mit Wasser, wenn sie in den Lacken herumhüpfen. Am Besten hat mir immer gefallen, wie viel Freude sie daran haben im Regen herumzuhüpfen und die eigenen Haare nasser werden zu fühlen. Von den Wimpern hingen die Tropfen und die Kleidung klebte immer mehr auf ihrer Haut. Je schwerer die Kleider wurden, umso langsamer wurden die Bewegungen. Danach haben sie sich unter der dampfenden Dusche oder im warmen Bad wiedererwärmt. Der Hunger war riesig und die Nachtruhe entspannend. Schon vor Jahren habe ich festgestellt, dass Zeit in unserer heutigen Gesellschaft und hiesigen Kultur das wichtigste Gut ist. Viele haben diese nur sehr spärlich. Aber sehr viele pfropfen Ihren Terminkalender sicher unnötig voll. Wenn ich z.B. FreundInnen meiner Kinder zum Spielen einladen möchte, muss ich manches mal für viele Wochen im voraus dort anfragen - wo bleibt da die Spontaneität - aber glücklicherweise ist das nicht bei allen so.

Ich freue mich in jedem Fall schon auf die nächste Veranstaltung meiner Kinder - nach dem Motto: let’s meet again

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung - Wir Frauen sollen uns trauen

geschrieben von: doalittle - am 8. März 2010
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Verliebt, verlobt, verheiratet … geschieden (Teil 4)

Wir Frauen denken immer wieder urteilen zu müssen, was unsere Kinder tun sollten, wie uns unsere Eltern behandeln sollten, was der Partner von uns halten sollte, wie unsere Freunde sich entscheiden sollten usw.
Tatsächlich ist ein Urteil ein sehr waghalsiges Unterfangen, denn nur der Betroffene selber, weiß was gerade Sache ist und es bedarf einer gewissen emotionalen Intelligenz sich in andere hineinversetzen zu können. Warum ich mich damit gerade auseinandersetze? Meine Mutter war regelrecht überrascht, um nicht zu sagen entsetzt darüber, dass ich bei meiner Vorbereitung zur Scheidung, Mediatorentermine mit meinem (Noch-)Ehemann wahrnehme und für mich selbst Coachinggespräche genieße. Meine Tochter meinte dann: Was ist Coaching? Kurz gesagt: Beratung. Generationen vor uns war das zum Teil verpöhnt und ein Zeichen von Schwäche und man sprach abfällig davon: “Brauchst einen Seelenklempner” oder noch schlimmer hinter vorgehaltener Hand “Die/Der hat eine Macke” oder hat einfach mit dem Zeigefinger auf die Schwächlinge gedeutet, welche kurz vor einem Nervenzusammenbruch standen. Da war es schon eine Frage der Ehre, wenn man den Revolver an die Stirn setzte oder zum Duell aufforderte.

Ich stehe dazu, dass ich mir gern eine Beratung bei jenen hole, wo die Chemie stimmt und ich das Gefühl habe, dass sie sich professionell mit dem Thema befassen, indem ich gerade Unterstützung benötige. Schließlich gehen wir auch zu unserem Hausarzt, Orthopäden oder Zahnarzt und ziehen uns hoffentlich nicht mehr selber den Zahn im Keller aus oder mit einem Schwergewicht über dem Treppengeländer ;-)
Gerade wenn sich die Gedanken immer wieder im Kreis drehen, tut es gut, wenn unser Gesprächspartner diese auf den Punkt bringen. Oder einfach nur mal etwas fallen lassen, das uns sowieso schon beschäftigt hat aber im hinteren Eck des Kopfes vergraben war oder wir tief drin in unserem Bauch gefühlt haben. Selbsterkenntnis gibt mir einfach Sicherheit. Ich spüre, dass der Weg, der Richtige ist (auch wenn nur gerade jetzt eben) und die Kraft kommt aus unserer Mitte, um das Leben erfüllend weiterzuführen. Interessant ist, dass vor allem unsere Kinder diese Sicherheit brauchen. Kaum haben wir eine Entscheidung getroffen, verschwinden viele Auffälligkeiten und Gereiztheiten. Das Miteinander fühlt sich wieder harmonisch an und das Familienleben entwickelt sich bei mir auch als Alleinerzieherin gerade sehr friedlich. Manchmal brauchen wir einfach nur viel Mut, um den nächsten Schritt zu wagen. Aber ist der erste Schritt getan, können zügig weitere folgen. In meinem Fall ist die Entscheidung zur Scheidung meinerseits nicht sehr schnell gefallen, aber sie ist gewachsen und nun stehe ich vollkommen dazu. Damit sind auch die Schmerzen zu ertragen und die Kinder gelöst. Man könnte sogar meinen erlöst.
Ich will damit auch jedem Mut machen, von den neuen modernen Angeboten der Mediation und des Coachings Gebrauch zu machen, auch wenn das bei unseren Eltern noch nicht üblich war (und mein Rechtschreibprogramm nicht kennt). Schließlich sagten schon die Römer, dass ein Staat mit zu vielen Advokaten dem Untergang geweiht ist. Und auch heute hat man das Gefühl, wenn sich zwei Parteien streiten, sind vor allem die Anwälte und Richter die Nutznießer. Schlimm vor allem deswegen, weil die Emotionen vollkommen auf der Strecke bleiben und selbst wenn ein Urteil beidseits angenommen wurde, die Zufriedenheit nicht unbedingt da sein muss. Während eines Mediationsgespräches steht aber die beidseitige zufriedenstellende Lösung im Vordergrund. Teilweise kommen sogar Dinge zutage, womit der eine oder andere überhaupt nicht gerechnet hat. Dafür hat mir dann das Coaching sehr geholfen. Ich für meinen Teil werde sicherlich noch daran arbeiten müssen, mit den Gefühlen (und nicht mit der Entscheidung) fertig zu werden, im Stich gelassen worden zu sein. Normalerweise hat man dieses Gefühl nur, wenn der Partner verstorben ist. Bei mir ist es aber erschwerend, da ich ja den Kontakt zwischen Vater und Kinder trotzdem aufrecht erhalten will und vor allem unterstützen will. Das bedeutet viel Arbeit mit der eigenen Emotion und die richtige Gesprächswahl mit den Kindern.
Ich bin zuversichtlich das Richtige entschieden zu haben und fühle mich von einem Termin zum nächsten einfach besser.

Die Zeit einfach ungenützt verstreichen zu lassen trügt und irgendwann kommt jeder von uns in die Situation sich am eigenen Schopf packen zu müssen und aus dem Sumpf zu zerren, bevor wir jämmerlich darin untergehen. Sich selbst zu retten und das Leben in die Hand zu nehmen - Das tut GUT! Und ich hole mir zum ersten Mal ohne schlechtes Gewissen HILFE! Und auch wenn ich viele Ideale über Bord geworfen habe, da sie alleine manches Mal einfach nicht umzusetzen sind, so bleibe ich bestimmt meinen Prinzipien treu. Das verdanke ich einem kleinen Hinweis eines Seelenfreundes und dafür danke ich ihm vom Herzen.

Zum heutigen 99. Frauentag möchte ich an dieser Stelle ein großes DANKE aussprechen.  Ein DANKE an alle mutigen, starken, zuversichtlichen, idealistischen, kreativen, selbstlosen und mit vielen weiteren Eigenschaften ausgestatteten Frauen, die an das Gute auf unserer Welt glauben und viele Fertigkeiten den Kindern und Ihrer Umwelt für die Zukunft weitergeben.

Metamorphose hinter dem Lenkrad - der wilde Stier

geschrieben von: doalittle - am 7. Februar 2010
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Die Kleinen sind nun endlich in Ihren Betten eingeschlafen und ich danke, dass wir heil  heimgekommen sind.
Noch kurz vor unserem Ziel haben wir ein Meer von Blaulichtern auf der Südautobahn gesehen. Mit Flutlicht wurden alle vier Fahrbahnen ausgeleuchtet, mehrere Notarztfahrzeuge, Feuerwehr und Polizei waren dort versammelt und ich erinnere mich an die Sekunden zuvor auf der Höhe Hartberg. Wir waren gerade aus dem Süden unterwegs nach Hause nach einer wirklich schönen und erholsamen Ferienwoche.

Nachdem ich alleine unterwegs bin, habe ich bereits 2x kurz gestoppt und nicht nur den Tank aufgefüllt, sondern auch selber Energie getankt. Das war vielleicht mein Glück, denn sonst hätte ich vielleicht 3cm zu wenig Zeit gehabt.
Warum? Na offensichtlich durchleben einige beim Besteigen Ihres Kraftfahrzeuges eine ungewöhnliche Metamorphose und werden zum egoistischen und aufbrausenden Stier, dessen Eitelkeit nur ja nicht angekratzt werden darf.

Beim Gespräch mit der Autobahnpolizei bekam ich nur die Frage: “War ein Mann am Steuer?” Nun ich will jetzt nicht emanzipiert wirken, aber angeblich soll es noch immer viele Autofahrer geben, welche meinen, eine Frau gehört nicht hinter das Steuer sondern hinter den Herd.

Da war ich paff.
Es handelte sich um ein gewöhnliches Überholmaneuver und einen Fahrfehler (?) oder zu wenig PS meinerseits. Naja einen 2-Tonner bewegt man bergauf halt nicht so schnell und möchte sich auch in die Kolonne der LKW-Überholenden einordnen. Der Fahrer eines VW-Kombi meinte jedoch, ich dürfe nicht hinein und hat doch glatt statt einfach vom Gaspedal wegzugehen, draufgedrückt. So ein Zufall! Ich denke, das ist schon fast eine automatische Folge im Gehirn: Das Auge nimmt den Blinker eines Überholwilligen vorne wahr und der Befehl den Fuß auf das Gaspedal noch fester zu drücken ist ganz automatisch und keine Frage des Nachdenkens.
Zum Reagieren meinerseits war es zu spät und was hätte ich tun sollen - stehen bleiben, um Audienz bitten und mit einem Kniefall um Entschuldigung bitten - geht halt mitten auf der Autobahn nicht. Also gut, man versucht im ersten Schrecken den eigenen Fahrfehler und die kurze Unkonzentriertheit wegzustecken, den richtigen Gang einzulegen, denn bergauf hat der 2-Tonner jetzt doch an Schwung verloren. Aber die Synapsen im Hirn wollen nicht mehr so schnell schalten und das scheint unseren bereits verstörten Stier noch mehr in Rage zu bringen. Nachdem das Überholmaneuver nun endlich geklappt hat, schaffe ich es gar nicht mehr auf die rechte Spur, denn da prescht der wutentbrannte Stier in seinem VW-Kombi doch glatt auf der rechten Spur nach vorne, deutet vor allem meinen Kindern allerhand nicht jugendfreies und nimmt uns fast den rechten Seitenspiegel mit. Meine Tochter am Beifahrersitz wird plötzlich kreidebleich, ich will sie beruhigen, da sehe ich noch im letzten Moment vor mir die roten Bremslichter aufleuchten und es waren nur mehr knappe 3cm, welche mir am Auffahren gefehlt haben. Eine Vollbremsung war nötig und ich war froh, dass der Fahrer hinter uns rechtzeitig reagiert hat. Der Schreck saß in meinem ganzen Körper - gerade noch habe ich es auf den Pannenstreifen geschafft und 133 gewählt, den Rest hat meine Tochter erledigen können. Ich war zu nichts mehr zu gebrauchen. Bald danach war die Autobahnpolizei hier und hat mich beruhigt. Sie waren so nett und zuvorkommend, dass sie uns zur nächstgelegenen Raststation gefahren haben und die Kinder Ihren Spass hatten. Die Kleinen haben mir voller Stolz berichtet, wie Cool sie chauffiert wurden und dass ich ganz toll reagiert hätte.

Ich kann mich nur jetzt noch wundern, was wir für ein Glück hatten, dass nichts Schlimmeres passiert ist und danke der Autobahnpolizei von Hartberg vom ganzen Herzen für Ihre Hilfe. Nach dem Kaffee habe ich mich wieder beruhigen können und die Fahrt sicher fortsetzen können, was für ein paar Andere auf der Südautobahn Richtung Graz nicht der Fall war. Ich kann nur hoffen, dass irgendwann die Betroffenen die Metamorphosen besser in den Griff bekommen oder rechtzeitig den Führerschein zurückgeben. Denn absichtlich eine Gefahr zu provozieren ist wirklich blöd und unverantwortlich. Wie lange wohl heute viele Richtung Süden im Stau bei dieser Kälte auf die Öffnung der Autobahn warten mußten? Warum müssen solche Massenkarambolagen bloss provoziert werden? Wegen ein paar Minuten schnelleren Fahrens? Wegen des Egos hinter dem Lenkrad?
Ich wünsche allen LeserInnen hier eine Gute Nacht und ein Gutes Heimkommen!

Harte Schale - Weicher Kern

geschrieben von: doalittle - am 20. November 2009
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Oft habe ich gehört: “Wie hältst du das alles aus?” “Wie schaffst Du das?”

Sind es einfach nur Worthülsen, ernstgemeinte Bewunderung oder werden tatsächlich ehrliche Antworten erwartet?

In der Vergangenheit habe ich oft die Erfahrung gemacht, es ist besser nach englischer Manier zu sagen: “Danke, wie geht es Dir?” Und wir haben die Frage bereits mit einer Gegenfrage beantwortet. Keiner erwartet tatsächlich in der Folge ein tiefgreifendes Gespräch. Warum auch? Zwischen Tür und Angel haben die meisten ohnehin keine Zeit und Geduld. In den letzten Tagen habe ich jedoch das Gefühl, dass die Fragen an mich tatsächlich sehr ernst gemeint sind. Allerdings hat irgendetwas in der letzten Zeit meine harte Schale etwas aufgeweicht - Maroni soll man übrigens ein wenig einweichen. Dann können diese besser eingeritzt und gebraten werden. Das erleichtert das Schälen und die Maronis bleiben zarter. - tja, und wenn die Schale mal etwas zu weich ist und tatsächlich bereits eine Ritze enthalten ist, fühle ich mich etwas schutzlos. Da reicht schon ein schiefer Blick oder vielleicht eine kleine Kritik und der Kern löst sich auf. Nichts kann mich mehr zurückhalten und daher hilft nur mehr der Weg in die Öffentlichkeit mit einer dicken Sonnenbrille. Selbst in den Gebäuden wird diese nicht abgenommen und glücklicherweise kann man sich auch hinter der eigenen Mähne ein wenig verstecken. Nun, sehr attraktiv dürfte ich in diesem Zustand nicht wirken. Aber glaubt mir - derzeit habe ich keinerlei Bedürfnis mit meiner Aussenwelt wirklich zu kommunizieren. Das Problem dabei ist, dass ich auf diese Art und Weise ernstgemeinten Fragen in keinem Fall eine Antwort geben kann, geschweige denn jemandem in die Augen sehen kann.

Eines stimmt mich jedoch positiv, dass dieser Zustand vorübergehend ist und es war klar, dass irgendwann der aufgestaute Stress abgebaut werden muss. Danach kann ein neues Kapitel in meinem Leben beginnen. Manchmal schäme ich mich dafür, dass ich es nicht geschafft habe, vor meinen Kindern die Tränen getrocknet zu haben. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn alle sind sie wie kleine Lämmchen und verhalten sich sehr still und leise. Sie sind auf einmal hilfsbereit, friedlich und zeigen sich von der besten Seite. So ein Nachmittag kann sehr angenehm sein und verschafft ein wenig Ruhe. Eine liebe Freundin war so entsetzt über meinen Ausbruch, dass sie mich sofort daheim aufgesucht hat und uns alle mit Leckereien verwöhnt hat. Leid hat sie mir getan, weil sie einfach nicht wußte, wie sie mir helfen soll und feststellen mußte, dass es Situationen gibt, in welchen man jemandem einfach nicht mit Tipps und guten Sprüchen helfen kann. Und eigentlich war eine blose Umarmung meiner Tochter das Wärmste und hat mich am meisten getröstet.

Mit vielen Dinkelsäcken, Schockolade und gemeinsamem Lesen werden wir diesen trüben Tag, obwohl die Sonne so herrlich war, beenden. Und morgen essen wir jede Menge Nüsse und Maroni. Nachdem wir keinen Nussknacker haben, muss ein simpler Schnitzelpracker herhalten. Die Burschen haben in jedem Fall eine Menge Spass und können ungehindert Ihre Kraft und Ausdauer einsetzen. Man glaubt gar nicht, wie lange die Kinder mit einer derart simplen Beschäftigung konzentriert bei der Sache bleiben können. Und ich hoffe, dass nicht so bald ein neuer Hammerschlag meine derzeit hauchdünne Hülle durchbrechen wird.

Free HUG - Diamanten der Freundschaft

geschrieben von: doalittle - am 6. November 2009
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Neuerdings kann man sich auf dem Stephansplatz eine kostenfreie Umarmung gönnen. Manche finden das vielleicht amüsant. Für mich stellt es ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft dar und will darauf hinweisen, wie gefühlsarm wir leben und welche emotionale Kälte uns manchmal umgibt.

Gerade zu dieser Jahreszeit empfinden wir den Kälteeinbruch als sehr störend. Selber werde ich manchmal etwas wehmütig, wenn ich den Duft wahrnehme und regelrecht weiß, jetzt hat der Herbst begonnen. Es ist immer wieder aufs Neue ein Abschied nehmen – Abschied von der Blumenpracht, den frischen Knospen der Blüte, dem fröhlich wuchernden Unkraut. Natürlich hat der goldene Herbst, sowie die reichliche Ernte seinen Reiz und wenn uns wie dieses Jahr die Sonne einen Aufenthalt im bunten Blätterwald oder den Weinbergen gönnt, dann fühle ich mich etwas getröstet von der Farbenpracht und dem besonderen Glanz des Sonnenlichts. Sobald aber der starke Wind die letzten lieblichen Blätter gnadenlos von den bald kahlen Zweigen reisst, weiß ich, dass der Winter in schnellen Schritten kommt.

Heuer ist der Herbst ein Besonderer. Lange Zeit habe ich diese intensiven Wechsel der Jahreszeiten vermisst und diesmal haben sie sich in all ihren Vorzügen gezeigt. Die dicke Nebeldecke lädt zum Verweilen im warmen Zuhause ein und man hat das Bedürfnis sich jemandem anzuvertrauen, ihm die Geheimnisse der erlebten Monate oder eines Lebensabschnittes zu erzählen. Es ist ein Abschied nehmen von vielen Dingen, verarbeiten und die Aussicht auf einen Neubeginn im kommenden Frühjahr mit aller Frische, Zuversicht und Selbstvertrauen. Doch manches Mal tut hier einfach eine feste Umarmung gut. Sie gibt uns eine Menge Kraft und das Gefühl nicht allein zu sein. Und da liegt, denke ich das Hauptproblem. Im Herbst und Winter müssen wir unseren Schweinehund überwinden, um uns von unserer warmen Höhle zu entfernen. Tun wir dies nicht, verweilen wir oft alleine in dieser Höhle und wir müssen schon ein sehr gesundes Selbstbewusstsein haben, um in dieser Einsamkeit Kraft schöpfen zu können. Je nach den erlebten Situationen fällt uns das mal leicht und dann auch widerrum besonders schwer, wenn nicht sogar unmöglich.

Natürlich ist auch nicht jede Umarmung gleich – je nach Wahrnehmung bei der betroffenen Personen kann es bis zu einer Verschmelzung beider Auren kommen und das ist einfach wunderbar. Wer wissen will, wie sich das anfühlt, sollte vielleicht einfach mal anfangen öfters zu umarmen. Wovor haben wir Angst – vor der Ansteckung an der Schweinegrippe ;-) – nein, na dann, los geht’s – fangen wir einfach an. Ich werde in jedem Fall meine Kleinen jetzt ganz bewusst immer wieder umarmen. Und zwar bewusst und ohne zeitlichen Druck und GENIESSEN.

Der virtuelle Keuschheitsgürtel

geschrieben von: doalittle - am 28. Oktober 2009
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Für viele von uns haben sich mit der Etablierung des Internetzugangs daheim unendliche Möglichkeiten aufgetan. Es ist zeit- und ortsunabhängig mit wem wir Kontakt aufnehmen. Selbst wie wir gerade aussehen und uns fühlen ist irrelevant.

Einige Zeit konnte ich beobachten, wie wichtig der telefonische Kontakt für viele von uns war, sodaß wir das mobile Telefon einfach überall mitnahmen und damit jederzeit erreichbar sein konnten. Das ist für viele zum Teil lästig geworden, sodaß
sie das Telefon abschalten und damit unerreichbar sind. Dieses Verhalten kann Vorteile aber auch Nachteile mit sich bringen, wie sie jeder von uns sicher schon mal erlebt hat. Allerdings möchte ich die Stimme als wesentlichen Bestandteil der Kommunikation nicht missen. Manch einer ist vielleicht schon vom Zauber einer Stimme mitgerissen worden. Dieses Medium geht aber beim Verfassen von Briefen oder emails verloren - schade. Dafür haben wir beim Verfassen von Texten mehr Zeit zur Verfügung. Der Text kann mehrmals gelesen und korrigiert werden und keinesfalls geht man ein gewisses Risiko ein, außer falsch verstanden zu werden.

Vor kurzem habe ich “gut gegen Nordwind” und “die siebente Welle” von Daniel Glattauer gelesen (wer gerne lacht, muß diese Bücher unbedingt lesen). Und kürzlich war erst der Film “email an dich” zu sehen. Hier kann man sehr gut nachvollziehen, wie intensiv eine Beziehung zwischen zwei Menschen werden kann und somit das Internet seine Vorteile zur Geltung bringt.
Derzeit macht mir vor allem Sorge, dass viele zwischenmenschliche Beziehungen und Freundschaften unter dem allgemein verbreiteten Zeitmangel leiden. Als alleinerziehende Mutter habe ich dieses Kommunikationsmittel erfolgreich eingesetzt, um den Kontakt zu meinem Freundeskreis aufzubauen, aufrecht zu erhalten und sogar zu verbessern. Zuerst stand ich der Plattform “Facebook” sehr skeptisch gegenüber. Aber nach intensivem Auseinandersetzen bin ich überzeugt, dass man in der vernetzten Welt “Facebook” unter Berücksichtigung ein paar Spielregeln sehr vorteilhaft einsetzen kann. Allerdings gebe ich zu Bedenken, dass für viele diese Art der Vernetzung zum Teil sogar unüberschaubar geworden ist.

Frederique Vester läßt grüßen.

Was hat das alles mit dem virtuellen Keuschheitsgürtel zu tun?
Nun ich denke mir, dass die Kirche ihre Freude daran haben müßte. Wir können unsere Beziehungen aufbauen, unseren potentiellen Auserwählten besser kennenlernen und den Gefühlen freien Lauf lassen, ohne vorehelichen Sex zu betreiben oder gar ein Kondom zu verwenden ;-)

Was kann uns Eltern schon besseres passieren - lassen wir unsere Kinder doch einfach Chatten! Für alle Eltern hier der Link zu den wichtigsten emoticons: der Code der LOL Generation

Rezepte mit Glückshormon

geschrieben von: doalittle - am 4. September 2009
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Den ganzen Sommer über lese ich in den verschiedenen Zeitschriften Rezepte zum Thema Liebe, Flirten, Romanzen, …

Was erhoffen wir uns davon? Warum lesen wir diese Beiträge?

Es gibt ja doch kein Heilmittel gegen Liebeskummer und Herzschmerzen. Liegt es an dem Kind in uns? Wollten wir bloß nie abgenabelt werden? Vor einigen Jahren habe ich mein eigenes Geburtserlebnis im Traum wiedererlebt. Dies war so überraschend und so intensiv, dass es fast nicht in Worten ausgedrückt werden kann. Was habe ich danach bzw. währenddessen gefühlt?

ANGST – KÄLTE – EINSAMKEIT

Der Beginn des Erlebnisses war angenehm, wohlig und warm. Es erinnerte an das Sich treiben lassen im warmen Wasser des Meeres. Dann näherte ich mich langsam dem Licht und bekam Angst, denn die angenehme Wärme und das Wiegen hörte auf. Ich empfand überhaupt keine Schmerzen und das Licht empfing mich sehr schnell, aber es war auf einmal bitter kalt und ich fühlte mich unendlich einsam. Das machte mir große Angst.

Zu dieser Zeit wachte ich auf und wusste zuerst gar nicht, was mit mir los war. Dann erst merkte ich, wie ich zitterte und wie kalt mir war. Ich hatte große Sehnsucht nach der Nähe zu einem anderen Menschen, umarmt und gehalten zu werden – Zuflucht zu suchen, Liebe zu finden.

In diesem Moment hatte ich ein enormes Verständnis für meinen Jüngsten empfunden. Er war damals gerade 6 Wochen alt. Ihn verstand ich, bevor er noch zu schreien anfing und das Erlebnis machte mir auch klar, wie schön und rücksichtsvoll heute v.a. in Österreich in manchen Geburtskliniken vorgegangen wird.

Hebammen nehmen sich Zeit und dimmen das Licht. Es wird versucht eine angenehme Atmosphäre für Mutter und Kind zu schaffen und das Kind wird noch vor dem Abnabeln der Mutter auf den Bauch gelegt. Herrlich!

Leider hat diese sprachlose Kommunikation nicht bei all meinen Kindern so gut funktioniert, aber ich möchte jedem Mut zusprechen auf die Innere Stimme und das Bauchgefühl zu hören und nicht zu viel Zeit mit Ratgebern zu verbringen. Denn Zeit ist das Wichtigste und Bedeutendste, das wir unseren Kindern heute schenken können.

Das Buch auf der Gartencouch

geschrieben von: Martina Kropsch - am 28. Juni 2009
Martina Kropsch

Heute- ENDLICH war er da- der langersehnte Tag. Eigentlich ist es kaum zu glauben, nach all den guten Vorsätzen, den abgehaltenen Yoga Stunden und dem “Finde zu dir selbst” und “Carpe diem”.

…aber als Mutter von 3 Kindern, Ehefrau eines Workalholics und  nebenbei mitten in der Wirtschaftskrise ein Jungunternehmen zu steuern, da genügen selbst die besten Yoga Gurus  und Vorsätze meistens nicht.

…aber es gab doch vor ca. 2 wochen bereits den Versuch am Sonntag das heißgeliebte Buch mit in den Garten zu nehmen- es hatte es doch geschafft, landete auf der Sonnenliege aber dann - doch nicht. Schon wieder war ein Kind da - entweder hungrig, durstig, leicht verletzt vom Trampolin gefallen, oder eine Mauerbiene (harmlos), die im Anmarsch auf des Eis war.

Wenn das alles versorgt wurde, kam der Hund mit seinen treuen Augen und wollte auch wieder etwas und wenn es nur der Platz auf meinen Füssen war…

Sonntag kurz vorm Schlafen gehen, wenn das Buch wieder auf dem Nachtkästchen landet, sind dann meist die Gedanken - “schon wieder zu wenig auf dich geachtet, mach es besser sonst kommst du zu kurz”.

Die Nacht vergeht, die Woche beginnt und ich möchte hier gar nicht einmal anfangen zu erzählen, was ich letzte Woche so alles (meist doch im allein Gang- Mann muss ja arbeiten und Geld verdienen) erledigt habe.

Voll ausgelaugt, nach einer Woche Regen beginnt das Wochenende - und ich muss gestehen ich bin froh, dass die Kinder schon so groß sind, dass sie uns Eltern in der Früh noch ein Weilchen im Bett schlafen lassen, weil sie der Fernsehfernbedienung mächtig geworden sind (ich weiß pädagogisch nicht sinnvoll…).

Und jetzt kommt’s - das Wetter verregnet all meine Pläne wie Rosen zurückschneiden (schauen schon gräßlich aus), ein bißchen Farn zum neuen Biotop umpflanzen, Unkraut gibt es auch genug, Dekosachen im Garten wieder umgestalten, Pool reinigen (dringend notwendig), und vieles, vieles mehr.

Stattdessen wurde ein bißchen gesaugt, wirklich ganz wenig geputzt (aber Küche muss nun mal sein) und mit den Kindern gespielt. Mein Mann hat - trotz Regen- 2 mal gegrillt (er hat zum Geburtstag einen neuen Griller bekommen und ist ganz happy:-)

Somit war es Sonntag 16:00- der Bauch vom Essen noch voll, der Kaffee stand auf dem Couch Tisch und ich lag doch tatsächlich daneben auf unserer neuen Garten Couch. Der Regen prasselte auf das Terassendach und ich danke Gott für dieses schöne Fleckchen Erde und meinem Mann der mir die Freiheit ließ letzte Woche diese Gartengarnitur zu erjagen.  Die Kinder spielten im Haus “Winter”- alle hatten ihre Schals, Hauben und Handschuhe  wieder an und normalerweise hätte ich schon wieder an die nächste Waschmaschine gedacht - doch heute nicht.

Und somit passierte es - ich griff zum BUCH und fing an zu lesen- mitten an einem Sonntag Nachmittag. Nach 3 Seiten bewunderte ich mich richtig selbst und wagte es sogar für kurze Zeit einfach in die Luft zu schauen- wow was für ein Gefühl…..