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Es war einmal …

geschrieben von: doalittle - am 14. August 2009
doalittle

vor langer Zeit ein 9-jähriges scheues Mädchen. Nachdem es in der Fremde mit einer anderen Muttersprache aufwuchs, lernte es zuerst die Umgebung zu beobachten. Es war nicht introvertiert – nein – nur zurückhaltend und nachdenklich. Es fiel dem Mädchen nach einiger Zeit nicht mehr schwer die richtigen Worte zu finden und bald fand es ein paar Freunde in der Umgebung. Der Natur und den Tieren war sie von klein auf sehr zugetan, denn da brauchte man kaum Worte. Viele Spiele ließen sich schnell erfinden und sie bewunderte die größeren Kinder.

Eines Tages musste sie feststellen, dass ihr Vater die Familie verließ und dies leider nicht ganz gewaltfrei vollzog. Nicht dass sie ihn vermisste, er war ohnehin kaum daheim und daher war es ihr egal ob er noch persönliche Sachen in der gemeinsamen Wohnung hatte oder nicht. Sorgen machte sie sich vor allem um ihre Mutter. Sie saß viele Nachmittage in der Küche und hörte sich ihre Geschichten an und so geschah es, dass dieses 9-jährige Mädchen bereits in ihrer Entwicklung viel weiter war als so mancher Teenager. In den Sommerferien wurde das Mädchen gefragt, ob es mit dem Vater mit auf Urlaub fahren möchte und nachdem die Reise an den Atlantik führte und das Mädchen das Wasser über alles liebte, konnte es nur jubelnd zustimmen. Schließlich würde sie die Melonenernte , das Versteckspielen im hohen Gras, das Meeresrauschen erleben dürfen. Schnell war der Koffer gepackt, denn vieles besaß das Mädchen nicht und die Mutter trennte sich nur schweren Herzens, was das Mädchen gar nicht verstand. Die Reise dauerte 3 Tage und war sehr beschwerlich. Am Ziel angekommen wurde sie mit einem wunderbaren Regenbogen begrüßt und das Mädchen genoss das Leben auf einem französischen Bauernhof mitten im Hochsommer. Die Hitze machte ihr nichts aus, denn da konnte sie sich und die Umgebung richtig gut wahrnehmen. Die Nadeln der Föhren am Boden waren spitz und die Füße wurden massiert vom heißen Sand. Bald hatte sie sich an das barfuß gehen gewöhnt und die Spaziergänge zur Küste waren immer die Schönsten. Doch dann schickte der Großvater, sie und ihren Vater samt Anhang fort – er war dem Vater auf die Schliche gekommen, dass er mit einer hochschwangeren Freundin unterwegs war und die Mutter des Mädchens nicht davon Bescheid wusste. Er verlangte, das Mädchen sofort nachhause zu bringen. Doch daraus wurde nichts. Sie übernachteten einige Tage auf einem Parkplatz in der Nähe der Dünen am Atlantik. Da das Mädchen noch sehr klein war, musste es im Kofferraum übernachten. In der ersten Nacht kauerte sie sich hinein, konnte jedoch keinen Schlaf finden und schlich aus dem Kofferraum in die dunkle Nacht. Sie kannte den Weg zum Wasser. Zuerst spürte sie den nicht mehr so heißen Sand unter den Sohlen und die vertrockneten allzu spitzen Nadeln. Dann war es nur mehr weicher angenehmer Sand. Bald war sie zwischen den Dünen am Wasser angekommen. Die Wellen umspielten ihre Füße und beim Rückzug des Wassers lies der Sand unter den Sohlen nach und es konnte kaum das Gleichgewicht halten. Bald hatte es aber das Gleichgewichtsspiel mit den Wellen heraus und erfreute sich daran, die Küste entlang zu schlendern. Hoch oben war der wunderbare Sternenhimmel. Auf der einen Seite das Rauschen des Wassers und auf der anderen Seite die meterhohen Dünen. An ein Erklimmen dieser war nicht zu denken, da einem der Sand ein Fortkommen bzw. Hochsteigen unmöglich machte. Das wusste das Mädchen, dennoch ließ es sich von der trügerischen Schönheit nicht beirren und spazierte weiter. Plötzlich kam die Flut. Es war ein immer lauter werdendes Rauschen. Das kannte das Mädchen gut – doch es war dunkel und es war noch nie so weit gelaufen. Die Flut kam verdammt schnell. Sie lief so schnell sie konnte zurück. Ein paar Male fiel sie hin. Der verbleibende Streifen zwischen den heranrollenden und schäumenden Wellen und den Dünen wurde schnell immer schmäler und der Weg war noch weit. Immer schneller und schneller lief das Mädchen. Eine schnelle Läuferin ist sie schon immer gewesen. Jetzt war es wichtig und das wusste sie in diesem Moment. Zuletzt lief sie schon im Wasser und die Wellen umfassten bereits ihre Füße und ein Sog wollte sie ins Meer zurücknehmen. Sie kämpfte gegen diesen Sog an – sie liebte das Wasser – ja – aber sie liebte auch ihr Leben! Da erblickte sie im letzten Moment den rettenden Weg durch die Dünen und sprang mit allerletzter Kraft ein paar Mal höher bis sie die Wellen hinter sich ließ. Nun sank sie zu Boden und konnte dem Tosen in sicherem Abstand beiwohnen. Da entdeckte Sie den großen Mond am Horizont und wunderte sich über ihren Leichtsinn.

Das Herzklopfen wurde wieder ruhiger und als sie so dasaß – Ihre Beine eng umschlungen hatte, stellte sie fest, dass sie ihr Freundschaftsbändchen um den Knöchel im Kampf gegen die Wellen verloren hatte. Sie hatte dem gewaltigen Atlantik ihr Leben gegen das Bändchen eingetauscht und war froh darüber. Nun wusste sie, dass sie noch viele Kämpfe in ihrem Leben bewältigen wird können. Sie nahm die Herausforderung mit großer Freude und einem Lächeln an.