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Metamorphose hinter dem Lenkrad - der wilde Stier

geschrieben von: doalittle - am 7. Februar 2010
doalittle

Die Kleinen sind nun endlich in Ihren Betten eingeschlafen und ich danke, dass wir heil  heimgekommen sind.
Noch kurz vor unserem Ziel haben wir ein Meer von Blaulichtern auf der Südautobahn gesehen. Mit Flutlicht wurden alle vier Fahrbahnen ausgeleuchtet, mehrere Notarztfahrzeuge, Feuerwehr und Polizei waren dort versammelt und ich erinnere mich an die Sekunden zuvor auf der Höhe Hartberg. Wir waren gerade aus dem Süden unterwegs nach Hause nach einer wirklich schönen und erholsamen Ferienwoche.

Nachdem ich alleine unterwegs bin, habe ich bereits 2x kurz gestoppt und nicht nur den Tank aufgefüllt, sondern auch selber Energie getankt. Das war vielleicht mein Glück, denn sonst hätte ich vielleicht 3cm zu wenig Zeit gehabt.
Warum? Na offensichtlich durchleben einige beim Besteigen Ihres Kraftfahrzeuges eine ungewöhnliche Metamorphose und werden zum egoistischen und aufbrausenden Stier, dessen Eitelkeit nur ja nicht angekratzt werden darf.

Beim Gespräch mit der Autobahnpolizei bekam ich nur die Frage: “War ein Mann am Steuer?” Nun ich will jetzt nicht emanzipiert wirken, aber angeblich soll es noch immer viele Autofahrer geben, welche meinen, eine Frau gehört nicht hinter das Steuer sondern hinter den Herd.

Da war ich paff.
Es handelte sich um ein gewöhnliches Überholmaneuver und einen Fahrfehler (?) oder zu wenig PS meinerseits. Naja einen 2-Tonner bewegt man bergauf halt nicht so schnell und möchte sich auch in die Kolonne der LKW-Überholenden einordnen. Der Fahrer eines VW-Kombi meinte jedoch, ich dürfe nicht hinein und hat doch glatt statt einfach vom Gaspedal wegzugehen, draufgedrückt. So ein Zufall! Ich denke, das ist schon fast eine automatische Folge im Gehirn: Das Auge nimmt den Blinker eines Überholwilligen vorne wahr und der Befehl den Fuß auf das Gaspedal noch fester zu drücken ist ganz automatisch und keine Frage des Nachdenkens.
Zum Reagieren meinerseits war es zu spät und was hätte ich tun sollen - stehen bleiben, um Audienz bitten und mit einem Kniefall um Entschuldigung bitten - geht halt mitten auf der Autobahn nicht. Also gut, man versucht im ersten Schrecken den eigenen Fahrfehler und die kurze Unkonzentriertheit wegzustecken, den richtigen Gang einzulegen, denn bergauf hat der 2-Tonner jetzt doch an Schwung verloren. Aber die Synapsen im Hirn wollen nicht mehr so schnell schalten und das scheint unseren bereits verstörten Stier noch mehr in Rage zu bringen. Nachdem das Überholmaneuver nun endlich geklappt hat, schaffe ich es gar nicht mehr auf die rechte Spur, denn da prescht der wutentbrannte Stier in seinem VW-Kombi doch glatt auf der rechten Spur nach vorne, deutet vor allem meinen Kindern allerhand nicht jugendfreies und nimmt uns fast den rechten Seitenspiegel mit. Meine Tochter am Beifahrersitz wird plötzlich kreidebleich, ich will sie beruhigen, da sehe ich noch im letzten Moment vor mir die roten Bremslichter aufleuchten und es waren nur mehr knappe 3cm, welche mir am Auffahren gefehlt haben. Eine Vollbremsung war nötig und ich war froh, dass der Fahrer hinter uns rechtzeitig reagiert hat. Der Schreck saß in meinem ganzen Körper - gerade noch habe ich es auf den Pannenstreifen geschafft und 133 gewählt, den Rest hat meine Tochter erledigen können. Ich war zu nichts mehr zu gebrauchen. Bald danach war die Autobahnpolizei hier und hat mich beruhigt. Sie waren so nett und zuvorkommend, dass sie uns zur nächstgelegenen Raststation gefahren haben und die Kinder Ihren Spass hatten. Die Kleinen haben mir voller Stolz berichtet, wie Cool sie chauffiert wurden und dass ich ganz toll reagiert hätte.

Ich kann mich nur jetzt noch wundern, was wir für ein Glück hatten, dass nichts Schlimmeres passiert ist und danke der Autobahnpolizei von Hartberg vom ganzen Herzen für Ihre Hilfe. Nach dem Kaffee habe ich mich wieder beruhigen können und die Fahrt sicher fortsetzen können, was für ein paar Andere auf der Südautobahn Richtung Graz nicht der Fall war. Ich kann nur hoffen, dass irgendwann die Betroffenen die Metamorphosen besser in den Griff bekommen oder rechtzeitig den Führerschein zurückgeben. Denn absichtlich eine Gefahr zu provozieren ist wirklich blöd und unverantwortlich. Wie lange wohl heute viele Richtung Süden im Stau bei dieser Kälte auf die Öffnung der Autobahn warten mußten? Warum müssen solche Massenkarambolagen bloss provoziert werden? Wegen ein paar Minuten schnelleren Fahrens? Wegen des Egos hinter dem Lenkrad?
Ich wünsche allen LeserInnen hier eine Gute Nacht und ein Gutes Heimkommen!

Warum tut Newton weh?

geschrieben von: doalittle - am 4. Juli 2009
doalittle

Diese Woche hat fast unsere ganze Familie das Gesetz der Schwerkraft schmerzhaft kennengelernt und damit auch die teils unterschiedlichen Reaktionen unbeteiligter Zuschauer. So mancher springt heroisch herbei und handelt selbstlos, andere wiederrum stellen eine Pseudo-Frage auf die sie nicht wirklich mit einer Antwort rechnen und wenn sie diese doch erhalten, vollkommen unpassend reagieren.

Das erste Erlebnis machte meine kleine Tochter – nach der Schule stürzen ja alle Kinder förmlich aus dem Schulgebäude. Daher gefallen mir auch die Sicherheitstafeln in Slowenien so gut, wo in der Nähe der Schulen auf den Tafeln das Herauslaufen der Kinder in Form einer Explosion dargestellt wird. Sie sind so voller Energie und diese will einfach beim Verlassen des Gebäudes ausgelebt werden und wie … tja, meine Kleine hat dies nicht ganz unbeschadet diese Woche überstanden und landete natürlich nach einem übersehenen Stein auf den Knien. Der Nachteil im Sommer ist, dass die Knie unter dem dünnen Sommerkleidchen den scharfkantigen Böden ungeschützt ausgeliefert sind. Ohne zu zögern, zaubert meine Mutter die eingesteckten Feuchttücher herbei und säubert und kühlt die verletzten Stellen. Ein angedeuteter Kuss lindert die Schmerzen schnell.

Keine 500 m weiter hat meine Mutter leider nicht so schnell reagiert. Sie war einfach geschockt. Die beiden Buben sind in der Zwischenzeit vorausgelaufen. Die warnenden Rufe, nicht so nah an der Baustelle vorbeizulaufen, haben sie schlichtweg überhört (nicht so wie das Schokoladenpapier ;-) ) und so musste es kommen, dass einer der Beiden dem Anderen im Weg war und beide hinfielen. Unangenehm war v.a. der noch heiße Teer. Gott sei Dank war sofort ein hilfsbereiter Bauarbeiter zur Stelle und hat mit Benzin das Bein sofort abgewaschen und geschrubbt. So blieb nur eine kleine offene Wunde am Knie. Ich war begeistert von so viel Hilfsbereitschaft und bewundere die Tapferkeit meines kleinen Jungen, da die Behandlung vor Ort ganz sicher höllisch weh getan haben muss. Aber heute konnte er aufgrund der selbstlosen Hilfeleistung wieder Baden gehen.

Anders war es bei mir. Offensichtlich erwecke ich nicht mehr die väterlichen oder mütterlichen Instinkte, v.a. wenn ich mit meinen Kindern in den Einkaufsstraßen von Tulln unterwegs bin. Ein abgeschrägter Bordstein wurde von mir nicht als schräg eingestuft und so kam es, dass ich mit dem Fuß geknickt bin und glücklicherweise mir nicht den Knöchel gebrochen habe, sonder stuntmäßig hingefallen bin. Das muss für meine Kleinen furchtbar anzusehen gewesen sein. Ich bin bäuchlings mit allen vier von mir gestreckt auf der Straße gelegen. Und das Beste kommt: Eigentlich bin ich eines Pärchen wegen ausgewichen und der männliche Begleiter fragt mich zuerst: „Ist alles in Ordnung?“ Ich verneine. Er bleibt 5 sec. stehen und geht dann weiter ????????

Nachdem ich mich v.a. aufgrund dieser Tatsache ein wenig fassen musste, bin ich wieder aufgestanden und habe zwar einige Schrammen am Körper verteilt in Kauf genommen, bin aber sonst ganz gut davon gekommen. Die Hilfsbereitschaft des Passanten hat mich förmlich umgehaut. Am Meisten hat mir mein Kleinster leid getan – er hatte solche Angst um mich. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Er hatte noch nie gesehen, dass sich Mami weh getan hat und noch vor dem Einschlafen bitterlich geweint. Er hatte wirklich große Angst um seine Mami. Das hat meine Schmerzen rasch vergehen lassen und ich habe ihm gesagt, dass alles wieder in Ordnung ist. Es muss fürchterlich für Kinder sein, zu sehen, dass Ihre Eltern oder Geschwister verwundbar sind. Umso mehr verstehe ich jetzt, warum Kriseninterventionen nach Katastrophen so wichtig sind und ziehe den Hut vor allen, die hier ehrenamtlich mitarbeiten und so vielen Menschen schon geholfen haben. Ich hoffe auf eine gute Vernetzung in der Zukunft, da uns sicherlich immer wieder die verschiedensten Erlebnisse bevorstehen und wir manchmal alleine nicht im Stande sind diese zu bewältigen.