Verliebt, verlobt, verheiratet … geschieden (Teil 3)
Es ist so, als ob sich vor ein paar Tagen bei mir eine Schleuse geöffnet hätte. Fast den ganzen Tag über rinnen mir unaufgefordert die Tränen die Wangen runter und manchesmal ist einfach nur das Auge feucht. Erst wenn ich zum Taschentuch oder Ärmel greifen muß und dann auf meinen Gefühlszustand achte, merke ich, dass ich wirklich Traurigkeit in meinem tiefsten Inneren verspüre. Warum jetzt auf einmal? Manchmal weiß ich es nicht.
Vielleicht waren es die Sitzungen mit dem Coach, dem Mediator und der speziellen Massage? Oder doch der Hinweis, dass ich noch viel unausgelebte Trauer in mir habe und ich doch einfach diese verarbeiten muß. Schließlich darf man ruhig im Leben Situationen als traurig empfinden, wenn sie so sind und braucht diese nicht “schön” reden. Und das Beste ist, dass ich mich dadurch auch richtig befreit fühle und tatsächlich entspannt über schöne Momente freuen kann. Aber es ist eine schwierige Zeit!
Getroffen hat mich vor allem der Hinweis des Mediators, dass ich mit dem Verlassen worden sein noch nicht fertig bin und dies erst verarbeiten muß. Na kein Wunder, habe ich mir dabei gedacht, denn schließlich habe ich erst bei diesem Termin erfahren müssen, dass mein untreuer Mann mehr Abstand brauchte und sich daher für einen Job im Ausland entschieden hat. Diese Aussage saß, wie ein Schlag in den Bauch und tat richtig weh. Vor allem weil ich mich seit vielen Jahren plötzlich betrogen und belogen fühlte. Dann kamen Fragen, wie: Warum hat er nicht die Wahrheit gesagt? Warum hat er das Problem mir gegenüber nicht erwähnt?
Warum, warum, warum…
Und dann mußte ich mir eingestehen, dass ich wahrscheinlich nie die Antworten darauf bekommen werde und einfach damit beginnen muß, die negativen Gedanken zu streichen. Und ich gebe zu, dass dies sehr schwierig ist! Glücklicherweise war der Termin beim Mediator an jenem Tag im Zeichen des Mondes zur Klärung. Genauso hat sich dieses Gespräch für mich auch angefühlt und nun muß ich den Schmerz verarbeiten, also warum auch nicht die Tränen zulassen. In jedem Fall muß der Termin für alle Beteiligte etwas Erleichterndes gehabt haben, denn danach konnte ich mich von meinem Mann noch zum Essen einladen lassen und habe tatsächlich das Essen geniessen können.
Zu guter Letzt, bin ich bei den Kindern nun immer wieder sehr vorsichtig, wenn sie sich traurig fühlen oder verletzt haben. Ich versuche ihnen mein Mitgefühl ausdrücken und vor allem - sie ausweinen zu lassen! Jeder braucht unterschiedlich lange Zeit, um Traurigkeit oder Schmerzen zu verarbeiten und diese Zeit sollten wir uns und vor allem unseren Kindern dafür geben.
Übrigens bin ich trotz der Trauer ein glücklicher Mensch und geniesse derzeit wunderbare Ferien mit den Kindern und meine größte Tochter meinte sogar: “Mama, du wirkst viel fröhlicher als sonst.”
