„Ich bin hier, wer ist dort - an einem ganz and’ren Ort….” So beginnt Astrids Brief, den sie mittels Flaschenpost auf große Donaureise schicken will, in der Hoffnung, dass ihr von irgendwo jemand zurück schreibt. „Die Flasche wird beim nächsten Kraftwerk hängen bleiben.”, holt sie ihr Papa in die Realität zurück. „Echt?”, fragen wir uns und dann die, die es wissen muss: Jutta.
Jutta heißt nämlich die Dame, die uns vergangenen Sonntag durch das Kraftwerk Wien-Freudenau führte. „Geheimnis Wasserkraft” nennt sich das Vermittlungsprogramm der Verbund AG, bei dem Kinder erfahren sollen, wie aus Wasserkraft elektrischer Strom gemacht wird. Treffpunkt war das multimedial aufbereitete Informationszentrum direkt im Stromhaus. Anhand eines Modells hat uns Jutta das Prinzip des Kraftwerks erklärt: Wasser wird in die 6 Turbinen geleitet, wo es die riesigen Laufräder in Bewegung setzt, die wiederum die Turbinenstangen antreiben, über die die Energie in den Generator gelangt, wo schließlich Strom draus wird, der zum nächsten Umspannwerk geleitet wird. Aber was konkret im Generator geschieht - der angeblich wie ein „simpler” Fahrrad-Dynamo funktioniert, nur größer - wurde leider nicht für Kinderohren aufbereitet. Und mit meinem bescheidenen technischen Verständnis, hab ich leider auch keine Ahnung davon….!?
Außerdem erfahren die Kids einige Fakten zum Thema Strom und Kraftwerk, die zum Glück in kindgerechte Dimensionen umgelegt wurden, z.B., dass rund 4000 Badewannen voll Donauwasser pro Sekunde durch die Turbinen fließen, dass jedes einzelne Laufrad größer als ein Fußballtor ist und dass der Staubsauger mehr Strom verbraucht als der Fernseher. Seither heißt es daheim nur noch: „Können wir fernsehen - das spart Strom!” - Danke, das hab ich gebraucht! Ernstgemeinte Stromspartipps konnten wir im Anschluss an die Führung an den PC-Stationen im Infocenter nachlesen.
Doch zuvor ging es - mit blauen Schutzhelmen gesichert (netter Anblick) - in die große Kraftwerkhalle und danach mit dem Lift mehr als 20 Meter tief runter, wo wir eine Turbine von unten sehen konnten. Laut war es hier, es roch nach Schmieröl und dennoch waren wir tief beeindruckt, wie riesig das alles hier ist. Und wir bekamen einen Eindruck, wie Wasserkraft sinnvoll genutzt werden kann.
Jetzt wollten wir nur noch wissen, was wirklich mit Astrids Flaschenpost geschieht: Jutta erzählt uns von einem großen Gitter, dem sog. Einlaufrechen, der dafür sorgt, dass nichts Großes in die Turbinen gelangt und sie beschädigen könnten. Das heißt, unsere Flasche würde vermutlich tatsächlich hängen bleiben!
„Und was ist mit den Fischen?”, wollten die Kids wissen. „Die kleinen, die durchs Gitter schwimmen, werden zu Fischstäbchen”, meinte Jutta trocken. Doch soweit muss es nicht kommen, denn für die Fische wurde extra ein Umgehungsbach angelegt. Denn - so Jutta - die Fische lassen sich von der Strömung leiten. Und da im aufgestauten Wasser vorne an der Kraftwerksmauer so gut wie keine Strömung vorhanden ist, sind die Fische angeblich clever genug, um den kleinen Eingang zum Bach zu finden, der vom Donauhauptarm abzweigt und in gemächlichen Windungen die gesamte Staustufe umgeht. Und die ganz gescheiten Fischlein schwimmen ohnehin mit den Schiffen durch die Schleuse.
Vielleicht ist Astrids Flaschenpost ja auch so clever… Wenn jemand aus Bratislava zurück schreibt, hat sie’s wohl geschafft. Wir warten ab.
