Herbergsuche heute - Das Baby scheint schon sehr groß zu sein und drückt ganz schön herum. Glücklicherweise hat es sich schon in die richtige Posititon gedreht und groß dürfte es auch sein. Das Bücken ist schon sehr beschwerlich und schnell komme ich außer Atem. Heute wäre der Geburtstermin. Aber statt in der Semmelweißklinik zu sein, habe ich in der Früh sowohl den Gasmann, Strommann als auch den Juristen zwecks Schlüsselübergabe zu treffen.
Vorgestern, dem 4. Adventsonntag, haben wir alle Siebensachen in die neue Unterkunft übersiedelt und meine beherzte Nachbarin lässt mich bei Ihr im warmem Heim aufwärmen, da die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen und die Kälte sehr beissend wirkt. Alle haben es eilig und scheinen sehr gestresst zu sein, denn bald ist Weihnachten. Mein ältestes Kind, gerade 8 Jahre alt, hat mit Tränen das Haus verlassen - hat ja doch eine schöne Zeit hier erlebt und viele Freunde in der nächsten Umgebung gefunden. Wir übersiedeln zwar nur innerhalb der Ortschaft, aber trotzdem bedeutet das eine große Veränderung.
Ausgesucht haben wir uns diesen Zeitpunkt nicht und trotzdem bin ich glücklich, dass wir ein Zuhause gefunden haben, wenn das Baby auf die Welt kommt. Denn bis vor kurzem war das noch nicht klar. Schließlich sind die Mieter im neuen Haus erst vor 3 Tagen ausgezogen und gleichzeitig war der Termin für den Auszug aus der bestehenden Mietwohnung per Gericht festgesetzt. Die Niederkunft des Babys und die dadurch erschwerte Schwangerschaft spielten dabei leider keine Rolle. Ein enormer Stress in der Vorweihnachtszeit, welcher kaum nachzuvollziehen ist. Organisatorisch war dies eine große Herausforderung, denn ein Kind war in der Volksschule, das zweite Kind im Kindergarten und das dritte Kind noch bei mir zuhause. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits alleinerziehend war, musste ich insgesamt 100 Schachteln selber packen - zum Verstauen war leider kein Keller vorhanden und der Wohnraum ohnehin sehr knapp bemessen. Zum Glück konnten wir bereits im Oktober die Hälfte der Schachteln im neuen Zuhause lagern - ein großes Dankeschön auch heute noch an die damaligen Mieter. Allerdings war es für mich sehr schwierig vorauszuplanen und zu packen. Ein paar Weihnachtsfeiern, ein Konzert für meine kleine Violinistin, die bevorstehende Geburt, der Heilige Abend und keine Gewissheit, wo wir ab dem 22. Dezember wohnen werden.
Die Nervosität war unvorstellbar und das Beste war eine kleine Aussage einer Freundin mit großer Wirkung: “Du kannst mit deinen 3 Kindern bei mir wohnen bis du ins neue Haus kannst.” Außerdem hatte sie Erfahrung mit einer Hausgeburt und selber vier Kinder. Mit einem Mal war eine große Last und Ungewissheit von meinen Schultern. Und letztendlich konnten wir am 20. Dezember übersiedeln.
Das alles ist nun schon ein paar Jährchen her und die Kinder haben sich an das neue Heim gewöhnt. Die Weihnachtsfeier haben wir zwischen den Schachteln zelebriert und ich war enorm erleichtert und dankbar. So intensiv habe ich zuvor noch nie eine Weihnacht erlebt. Aufgrund von Vorwehen haben wir das erste Mal die Weihnachtsandacht ausfallen lassen und ein paar Tage später hat das Jüngste beschlossen zur Welt zu kommen. Unter normalen Umständen hätte ich die Geburt aufgrund des erschöpften Zustandes nicht überlebt. Die Hebammen waren allerdings sehr bemüht und mit der richtigen Portion Sauerstoff und Unterstützung wurden Kräfte freigesetzt, welche selbst mich überrascht haben. Nun erinnere ich mich jedes Jahr aufs Neue, warum wir Weihnachten feiern und ich erzähle den Kindern unsere Geschichte und das Lukas-Evangelium. Es berührt mich jedes mal wieder und ich finde es großartig wieviel Wärme und Nächstenliebe wir in unserer Umgebung erfahren können, selbst wenn uns Unrecht widerfährt.
Die Geschenke werden sehr nebensächlich, wenn man am eigenen Leib erfährt, wie es ist, im Ungewissen zu sein, ob man ein Dach überm Kopf hat. Da sind meistens liebe Worte und Taten die besseren Geschenke. In diesem Sinn wünsche ich allen Blog-LeserInnen ein wunderschönes und vor allem besinnliches Weihnachtsfest.
