Die Antwort lautet leider: immer weniger. Zumindest wenn man die mit freiem Auge sichtbaren Sterne zählt. Der Grund: Lichtverschmutzung. Doch eine kleine Gemeinde im Weinviertel trotzt diesem globalen Phänomen: Großmugl, der Ort in dem ich aufgewachsen bin! Klar, dass es mich mit den Kids am Tag der Astronomie in die alte Heimat zieht - zum geselligen Sternderl-Schauen.
Während man in Wien durch die zahlreichen künstlichen Lichtquellen rundum selbst in klaren Nächten bloß an die 100 Sterne ausmachen kann, sind es beim Leeberg, einem Grabhügel aus der Hallstattzeit etwas außerhalb Großmugls, sage und schreibe 5.000! Durch die Lage in einer natürlichen Senke, die das künstliche Licht der umgebenden Ortschaften perfekt abschirmt, steht hier - nur rund 40 km von Wien entfernt - ein gewaltiges Fenster zum Himmel offen. Das begeistert auch den renommierten Astronomen Dr. Günther Wuchterl von der Kuffner Sternwarte, der von Großmugl als UNESCO-Welterbe-würdiges Naturwunder schwärmt und regelmäßig sein Teleskop neben dem Leeberg aufbaut, um u.a. die Milchstraße zu betrachten, die kaum wo in Europa so gut sichtbar ist wie hier.
Den weißlichen Schleier der Milchstraße sehen wir heute Abend allerdings nicht - dafür scheint der Mond zu hell, aber der ist ja auch sehenswert, vor allem in 200facher Vergrößerung. Die mit Kratern übersäte Oberfläche erinnert Gregor an eine „Luftbläschen-Suppe” und auch Astrid kann sich kaum satt sehen an all den Zoom-Weltraum-Bildern, die hier auf offenem Feld zwei stattliche Teleskope liefern. Natürlich ist auch Dr. Wuchterl wieder vor Ort, der uns Sternengucker-Laien auskunftsfreudig die Besonderheiten des aktuellen Nachthimmels vor Augen führt: Neben dem Mond in Nahaufnahme zeigt er uns die hinter dem Horizont verschwindende Venus, den fantastischen Saturn samt Ring und Monde, einen losen Sternenhaufen, das Sternbild des Zwillings, des Großen und des Kleinen Wagens usw. Ob man auch den Mars sehen kann, fragt Astrid neugierig - und schwupps - auf Knopfdruck richtet sich das mit allen Finessen ausgestattete Teleskop automatisch neu aus und gibt den Blick auf einen leicht rötlich leuchtenden fernen Fleck frei. Aber dass mein Töchterchen dann sogar die „Maus auf dem Mars” samt Dondrinenbaum erkennen kann … na ja …
Was haben wir an diesem Abend, der für uns erst um 23 Uhr zu Ende ging, noch alles erfahren? Dass die Venus der hellste Punkt am Himmel ist und damit als Morgen- bzw. Abendstern dienen darf; dass einer der ganz großen Planeten (hmm - war es jetzt Uranus oder Jupiter?) durch seine gasförmige Konsistenz so leicht ist, dass er schwimmen würde, wenn er vom Himmel ins Meer fallen würde; dass der Saturn-Ring aus lauter kleinen Felsbröckeln besteht, die um den Planeten kreisen; dass das Licht vom Saturn bis zur Erde 1,5 Stunden braucht; dass die ältesten Sterne im Universum 12 - 13 Milliarden Jahre alt sind, unsere Sonne aber mit rund 4,5 Milliarden Jahren wesentlich jünger ist; und am wichtigsten: dass Astronomie zu einem faszinierenden Hobby werden kann, wenn Kinder so unkompliziert und anschaulich wie bei dieser Gelegenheit damit in Berührung kommen können.
