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Alles was mit Vögeln zu tun hat…

geschrieben von: doalittle - am 9. Mai 2010
doalittle

ups, natürlich meinte ich Vögel…deutsche Sprache ist wirklich eine schwierige Sprache. Alles was mit Vögel zu tun hat, war das Motto des Frühlingskonzertes verschiedener Chöre in unserem Ortszentrum. Ca. 75 Kinder waren anwesend und haben zu diesem Thema einstudierte Lieder und Canon zum Besten gegeben. Ein Chor hatte sogar einen Überraschungsgast mitgebracht - eine schwarze Henne. Obwohl es sich um Kinder im Volksschulalter handelte, haben sie die Lieder in verschiedenen Sprachen verständlich dargeboten und vor allem 3stimmig gesungen - laut, falsch und mit Begeisterung. Nein, nein das war jetzt nur gescherzt - ich selber war von der Vorstellung hingerissen und so manches Lied ist mir unter die Haut gegangen.

Nur eines hat mich etwas traurig gemacht - Normalerweise ist der Saal überfüllt und alle Sitzplätze nach kurzer Zeit vergeben. Und obwohl das Konzert erst um 18.30 Uhr angefangen hat, waren kaum Eltern anwesend, Sitzplätze sind leer geblieben und wären nicht ein paar Ehrengäste, Lehrer und Elternvereinsvertreter anwesend gewesen, hätten die Kinder vor einer wirklich geringen Anzahl von Zuschauern singen müssen. Ich war nicht nur überrascht, sondern vor allem traurig darüber. Es stimmt schon, dass ich auch nicht immer an allen schulischen Veranstaltung anwesend sein konnte, aber dann hatte ich zumindest eine Vertretung aus der Familie dort. Schließlich ist es doch eine besonders große Freude für Kinder Ihr Können zu präsentieren und mit allen Anwesenden den Auftritt zu feiern und zu würdigen. Mein Mutterherz macht es einfach stolz, zu sehen, wie viel Freude die Kleinen auf der Bühne haben können und meist auch keine Scheu vor einem öffentlichen Auftritt zeigen.

Ich werde nie die strahlenden Augen meines Jungen anlässlich einer Weihnachtsvorstellung im Kindergarten vergessen, als er mich in der 3. Reihe entdeckt hat und überwältigend die Rolle des Sterns wahrgenommen hat. Leider werden solche Veranstaltungen nur mehr selten organisiert, da sie meist unbedankt und wirklich zeitaufwendig in der Vorbereitung sind. Daher genieße ich umso mehr, wenn meine Kleinen die Möglichkeit dazu haben. Viele fühlen sich gegen Schulschluss besonders gestresst - so viele Termine heisst es da. Wir haben in unserer Familie hier Prioritäten vergeben und so sehen wir jeder Veranstaltung entspannt entgegen. Für mich ist es sogar eine Einstimmung auf die Ferien und die warme Jahreszeit. Abends haben wir keine Eile, da die Kinder erst bei Dunkelheit Müdigkeit verspüren und morgens meist mit dem Sonnenaufgang wieder aufwachen. Unsere gesamte Familie kann soziale Kontakte auffrischen, pflegen und neue knüpfen. Aus manchen Bekanntschaften werden manchmal sogar intensive Freundschaften. Und ganz besonders freue ich mich immer wieder, wenn mich die Kleinen unter den Zuschauern entdecken und ein Hauch von Freude und Glück über Ihr Gesicht huscht. Meistens verschwindet die anfängliche Anspannung und macht der Begeisterung Platz. Besonders lustig war ein Erlebnis mit dem kleinen Bruder, welcher einen unbeobachteten Augenblick, da ich die Kamera bediente, ausnutzte und zu seiner großen Schwester auf die Bühne stürzte. Nur mit Mühe war er wieder wegzubekommen und hat das Publikum zum Lachen gebracht. Leider bekam ich große Vorwürfe damals zu hören, welche ich heute nicht mehr so ernst nehmen würde. Damals war mein Nervenkostüm nur leider sehr dünn, da es die erste Veranstaltung für mich ohne Begleitung meines Ehemannes war und ich mit meinem kleinen Baby und unterdrückten Tränen den Saal rasch verließ, um meine aufbrausenden Gefühle in der kalten Winternacht wieder zum Beruhigen zu bringen.

Rückblickend war es gar nicht das erste Mal - aber im Bewusstsein habe ich damals vieles das erste Mal wahrgenommen. Daher kann ich nur jeden darauf hinweisen, die verschiedenen Lebensabschnitte, vor allem mit den Kindern, stressfrei und bewusst zu verbringen - denn realistisch gesehen, kann man fast auf der Hand die Anzahl der Weihnachtsfeiern, Schulabschlüsse etc. abzählen, welche wir mit den Kindern gemeinsam feiern dürfen. Dies sehe ich auch im Erleben der Jahreszeiten, nachdem ich mal abgezählt habe, wie viele ich vielleicht noch erleben werde, wenn ich von der durchschnittlichen Lebenserwartung mal ausgehe.

Und so erfreue ich mich an jedem Gewitter, jedem Sonnenauf- oder Untergang, jedem Schneefall. Und wenn es die Zeit zulässt, können wir von den Kleinsten besonders viel lernen, wie viel Freude sie an den Kleinigkeiten in der Umgebung haben - minutenlang stehen sie vor einer Lacke und beobachten die auseinanderrollenden Wasserwellen beim Heineintippen. Oder wie schnell füllen sich die Gummistiefel mit Wasser, wenn sie in den Lacken herumhüpfen. Am Besten hat mir immer gefallen, wie viel Freude sie daran haben im Regen herumzuhüpfen und die eigenen Haare nasser werden zu fühlen. Von den Wimpern hingen die Tropfen und die Kleidung klebte immer mehr auf ihrer Haut. Je schwerer die Kleider wurden, umso langsamer wurden die Bewegungen. Danach haben sie sich unter der dampfenden Dusche oder im warmen Bad wiedererwärmt. Der Hunger war riesig und die Nachtruhe entspannend. Schon vor Jahren habe ich festgestellt, dass Zeit in unserer heutigen Gesellschaft und hiesigen Kultur das wichtigste Gut ist. Viele haben diese nur sehr spärlich. Aber sehr viele pfropfen Ihren Terminkalender sicher unnötig voll. Wenn ich z.B. FreundInnen meiner Kinder zum Spielen einladen möchte, muss ich manches mal für viele Wochen im voraus dort anfragen - wo bleibt da die Spontaneität - aber glücklicherweise ist das nicht bei allen so.

Ich freue mich in jedem Fall schon auf die nächste Veranstaltung meiner Kinder - nach dem Motto: let’s meet again

Kinder-Kultur zum Nulltarif!

geschrieben von: Edith Schillinger - am 7. Januar 2010
Edith Schillinger

Regelmässigen Quaxblog-Lesern dürfte es schon aufgefallen sein: Ich habe eine Vorliebe für kulturell angehauchte, kindertaugliche Veranstaltungen. Aber die meisten Angebote für Theater, Museum, Konzert & Co kosten halt einiges, und in Zeiten wie diesen laufen die Ausgaben für solche Events sowieso auf Sparflamme. Grund genug für eine Übersicht zum Jahresbeginn, was man 2010 GRATIS so alles erleben kann:

Jänner:
Mein Sohn möchte im Fasching als Indianer gehen - passt ja wunderbar zum Kinder-Sonntag unter dem Motto „Zu Gast bei den Sioux” im Museum für Völkerkunde (24.1., 10 - 13 Uhr), wo neben der Kinderführung durch die aktuelle Sitting Bull-Ausstellung auch Rätselspiel, Bastel- und Mitmachstationen warten. Für Kinder ist alles kostenlos, Erwachsene kommen mit der Aktionskarte von WienXtra ebenfalls gratis rein.

Februar:   
Höchste Zeit, uns die Ausstellung „Es fliegt, es fliegt” im ZOOM-Kindermuseum anzuschauen. Denn erstens läuft sie nur noch bis 21.2. und zweitens ist seit Anfang des Jahres der Ausstellungs-Eintritt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene frei!
Vielleicht schaffen wir es sogar am 27.2. zum Aktionstag ins Technische Museum, wenn ein ROTE NASEN Clowndoctor die Kids durch die Ausstellung „body.check” begleitet. Menschen bis 19 Jahre zahlen neuerdings generell keinen Eintritt, die Erwachsenen allerdings schon.

März:
Bisher haben wir es leider noch nie dorthin geschafft, aber für 2010 fix am Plan: das Literaturfestival für junge LeserInnen im Palais Auersperg (11.-17.3.), wo bei Gratis-Eintritt eine Vielzahl an Lesungen, Workshops, Kreativstationen,  Bilderbuchkino usw. geboten werden.

April:
Ebenfalls im ZOOM Kindermuseum werden in Zusammenarbeit mit Siemens 2010 Kindermatineen abgehalten, z.B. am 25.4. mit dem Kinderkonzert “Die Piraten sind los” von Mai Cocopelli und Geraldino. Eintritt ist frei, freiwillige Spenden kommen einem karitativen Zweck zugute.

Mai: 
Ist zwar noch nicht sicher, aber vielleicht starten im Mai ja wieder die Live-Übertragungen aus der Wiener Staatsoper auf den Platz davor. Wir haben uns 2009 die erste Hälfte vom Ballett “Schwanensee” angeschaut und würden dieses nette Angebot bei ausgewählten Aufführungen 2010 gerne wieder nutzen.

Juni:
Im Essl Museum in Klosterneuburg steht am Wochenende 12./13.6. das jährliche Sommerfest auf dem Programm. Parallel zur Schau von Niki de Saint Phalle erwartet die Gäste entsprechende Kinderführungen und ein offenes Atelier - letztes Jahr haben wir dort herrliche 3,5 Stunden verbracht! Bis 2.2.2010 ist der Eintritt ins Museum im Rahmen des 10jährigen Jubiläums übrigens noch komplett frei, die regelmäßigen Kinder-Workshops usw. allerdings nicht.

Juli + August:
Der Hochsommer steht wie immer unter dem Zeichen des Wiener Ferienspiels, das auch viele Attraktionen in kultureller Richtung zu bieten hat. Außerdem freuen wir uns schon auf das Filmfestival am Wiener Rathausplatz, wo auch durchaus kindertaugliche Aufführungen gezeigt werden. Ein weiterer Tipp wäre die Donaubühne in Tulln, wo z.B. letztes Jahr das Theatro Piccolo mit “Charlotte Ringlotte” einen umjubelten Gratis-Auftritt hinlegte.

September: 
Im September findet traditionellerweise das Literaturfestival “Rund um die Burg” statt. In den letzten Jahren hat - neben vielen anderen Kinderbuch-Autoren - Marko Simsa im eigenen Kinderzelt sein jeweils neuestes Musik-Bilderbuch in sehr attraktiver Weise präsentiert. Warum sollte das heuer anders sein…?

Oktober:
Hier im Blog war bereits 2009 vom Tag der offenen Tür der Wiener Sängerknaben zu lesen. Für Interessierte wird sicher auch im kommenden Herbst das Portal zum Augartenpalais weit aufgemacht, um den Besuchern u.a. eine Kostprobe des sängerischen Könnens zu gewähren.

November:
Ein buntes Programm aus den Bereichen Theater, Lesung, Tanz, Musik uvm. bietet das jährlich stattfindende Lesofantenfest, das über 2,5 Wochen lang durch die verschiedenen Zweigstellen der Wiener Büchereien tourt. Im Jahr 2008 haben wir in der Hauptbücherei zwei Theatervorstellungen allererste Güte genossen. Und alles kostenlos!

Dezember:
Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit bringen die Wiener Kinderfreunde ein eigenes Kindermusical ins ehrwürdige Raimundtheater - zum Nulltarif. Letzten Advent war es “Wow, Mimmo“, ein reizendes Hundemusical mit wunderbaren Charakteren. Meine Kids reden immer noch mit Vorliebe so “schä g’scheat” wie der steirische Rodel-Joschi - mal sehen, was sie sich für heuer ausdenken…

Also, Sparefrohs zücken am besten gleich den Rotstift und tragen sich die besten Termine in den Kalender ein…
So wird das neue zu einem wirklich frohen Jahr!

Hallo Haydn!

geschrieben von: Edith Schillinger - am 15. Juli 2009
Edith Schillinger

Manchmal überkommt mich das dringende Bedürfnis, meine beiden Kids mit Kunst- und Kulturgenuss zu überschütten. Wenn mich dann gleichzeitig die Reiselust packt, kann es passieren, dass ich recht spontan mit meinem Nachwuchs ein Wochenende außer Haus verbringe, das ich dann gelegentlich unter ein spezielles Motto stelle. So geschehen letzten Sonn- und Montag. Unser Thema: Haydn2009.

1809 - also vor genau 200 Jahren - ist Joseph Haydn, seines Zeichens langjähriger Kapellmeister und Komponist im Dienste der Esterházy-Fürsten, verstorben. Und dieses Gedenkjahr wird im Burgenland und Umgebung ausgiebig zelebriert, um den großen Musiker kräftig hochleben zu lassen. Grund genug, um mal zu schauen, wie man Kindern das Haydn-Jahr 2009 schmackhaft machen will…

8 Schritte nach rechts, dasselbe in die Gegenrichtung, in die Mitte zusammen und wieder zurück … Astrid (7 Jahre) und Gregor (5 Jahre) sitzen auf der Auto-Rückbank und lassen vergnügt ihre Kuscheltiere händchenhaltend - in diesem Fall einen Teddy und einen Pinguin, also Tatze auf Flosse - zu einem typischen Volkslied aus der Zeit Haydns mittänzeln. Das Lied samt Tanz-Anleitung entstammt der CD „Paukenschlag und Kaiserlied / Joseph Haydn für Kinder”  von Marko Simsa, mit der wir uns frohgemut auf unseren bevorstehenden Haydn-Trip einstimmen.

Die Fahrt geht zunächst zur Burg Forchtenstein. Dort startete vergangenes Wochenende mit „Forchtenstein Fantastisch” das alljährliche Burgspektakel, das sich der guten, alten Ritterzeit verschrieben hat. Ritterzeit - Haydn? Da klaffen doch einige Jahrhunderte dazwischen! Richtig. Der Großteil des umfangreichen Forchtenstein-Programms steht eindeutig unter dem Zeichen des Mittelalters: Rund 150 Mitarbeiter betreuen die zahlreichen Mitmach- und Kreativ-Stationen wie Bogen-Schießen, Töpferei, Schreibwerkstatt, Sonnenuhr-Basteln, Backstube, Turm-Dosenwerfen, Husarenritt, Kinderschminken, Gratis-Kostümverleih für Jung und Alt uvm. Bei den einzelnen Stationen kann man Stempel sammeln, um sich später - wie auch mein Sohn - von König Forfel höchstpersönlich zum Ritter schlagen zu lassen. Meine Tochter begeistert sich da schon eher für die Zaubershow mit Merlix oder die Geschichtenstunde mit Gruselhexe Griselda. Eine der Hauptattraktionen von Forchtenstein Fantastisch ist zweifellos die Burg selbst - großartig erhalten samt begehbarem Burggraben, Brücken, Rampen, Gewölben, Innenhöfe usw. - ein wirklich stimmiges und sehr empfehlenswertes Ritter-Spektakel, alles in allem sehr mittelalterlich!

… wenn da nicht das in Kooperation mit „Haydn2009″ entstandene Musical „Ritter Roland rastet aus” wäre, das dem Burgfestival seinen gut versteckten Haydn-Touch verleiht.

Der Titel wurde wohl gewählt, damit es sich schön ins mittelalterliche Rahmenprogramm fügt, doch er führt in die Irre, denn im Musical wird aus Ritter Roland plötzlich König Roland und keine Spur mehr vom rauen Mittelalter. Vielmehr geht es im Stück, das zunächst im Jahre 1954 spielt und uns bald darauf in das sonderbare Paralleluniversum „Orlandos Heim” entführt, um die Macht der Bücher und die Kunst, seine eigene Geschichte zu leben. Ein wichtiger Handlungsstrang des Musicals dreht sich um den Totenkopf Joseph Haydns, der sich nichts sehnlicher wünscht, als mit dem Rest seines Skeletts wieder vereint zu sein. Allerdings müssten Kinder schon über ein fundiertes Haydn-Hintergrundwissen verfügen, wenn sie das genau so wie gedacht wahrnehmen sollen. Die mitreißenden Lieder und Choreografien, vorgetragen von SängerInnen mit tollen, kräftigen Stimmen, und vor allem die witzig-skurilen Charaktere und Dialoge machen die für Kinder vielleicht ein wenig schwierig durchschaubare Story mehr als wett und die dazugehörige CD läuft seitdem bei uns auf Powerplay.

Am folgenden Tag steht mit Eisenstadt das „Haydn-Mekka” schlechthin auf dem Programm. Der geplante Spaziergang vom Esterházyplatz hinauf zur Bergkirche, wo ich mit den Kids das Haydn-Mausoleum besuchen wollte, fällt leider einem Regenguss zum Opfer. Also nutzen wir die wetterbedingte Pause zu einer kleinen Bastelstunde in einem Café: Im Zuge der Vorbereitungen zu unserer Kurzreise habe ich im Internet eine interessante Website eines Eisenstädter Gymnasiums entdeckt (http://www.q4you.at), das im Haydn-Jahr allerhand kreatives Unterrichtsmaterial zusammengestellt hat. Neben verschiedenen Haydn-Quiz- und Rätselrallye-Unterlagen, PC-Memory-Spielen und süßen, selbst illustrierten Bildergeschichten mit netten Haydn-Anekdoten usw. war u.a. eine komplette Bastelanleitung für eine Haydn-Perücke aus Papier mit Löckchen und Zopf zum Downloaden bereit gestellt. Die haben wir dann - unter den neugierigen Blicken manch anderer Kaffeehausbesucher - ausgeschnitten, zusammengeklebt und gleich anprobiert.

Schließlich wird es Zeit, uns zum Haydn-Haus zu begeben, wo wir für die Kinderführung „Haydns Hausgeschichten” angemeldet sind. Hier geleitet uns Petra, die sich vor unseren Augen outfitmäßig in Joseph Haydn verwandelt, durch das einstige Wohnhaus des Komponisten und erzählt uns von einem verheerenden Brand in Eisenstadt, Mozarts Verhältnis zu seinem „Papa Haydn” und Haydns Ehefrau, die leider gar kein Verständnis für seine Musik aufbringen konnte und ihre Pasteten gerne in seine frisch geschriebenen Notenblätter einwickelte - was ihrer Ehe nicht allzu gut tat. Außerdem wird im Zuge der Führung ein Mädchen mittels Puder und Rouge zur adeligen Dame geschminkt - ganz dem Zeitgeist des 18. Jahrhunderts entsprechend. Den Abschluss der Kinderführung bildet der Besuch im Dachboden-Atelier, wo die Kids noch ein hübsches Abbild des Haydn-Hauses basteln und ein altes Chembalo zum Herumklimpern einlädt.

Jetzt aber nichts wie hinein, ins absolute Zentrum der Haydn-Verehrung, ins Schloss Esterházy, Wirkstätte Haydns über vier Jahrzehnte hinweg. Hier gibt es zwar - unter der Schirmherrschaft der Fledermaus Fritz Fürstlich - auch spezielle Kinder-Themenführungen, allerdings nur an bestimmten Wochentagen.
Also entschließen wir uns, die beiden Ausstellungen „Haydn explosiv” und „Phänomen Haydn - prachtliebend” auf ihre Kinderfreundlichkeit hin zu vergleichen:

Die Idee von „Haydn explosiv” ist es, Haydn und seine Zeit als Gesamtkunstwerk zu präsentieren, in das sich auch Werke zeitgenössischer Künstler fügen. So mutiert die Sala Terrena, das ehemalige Weinlager des Schlosses, zu einer poppig bunten und interaktiven Multimedia-Landschaft. Die effektvollen Bild- und Sound-Installationen ziehen die Kids in ihren Bann und mehrere Monitore in Kinderaugenhöhe erweisen sich als äußerst lehrreich und unterhaltsam zugleich - wurden hier doch entzückende blau-livrierte „Ester-Hasis” zum Leben erweckt, die ihre Rolle als Kunstvermittler ausgezeichnet erfüllen! Verschiedene Aktionsprogramme für Schul- bzw. Kindergarten-Gruppen vervollständigen das kindertaugliche Angebot rund um „Haydn explosiv”.

Wesentlich nüchterner und weniger experimentell ist man an die Gestaltung der Ausstellung „Phänomen Haydn - prachtliebend” herangegangen, die ebenfalls im Schloss Esterházy untergebracht ist. Hier werden sowohl Einblicke und Hintergründe in die Arbeitsweise Haydns gewährt, als auch die höfische Prachtentfaltung unter den Esterházy-Fürsten behandelt. Zweifellos ist bei der durchaus attraktiven Gestaltung der Ausstellungsräume an die Zielgruppe der Erwachsenen gedacht worden, kindgerechte Einrichtungen fehlen gänzlich. Allerdings können sich meine Kinder für den Gratis-Audio-Guide begeistern und suchen in den Räumen fleißig nach den entsprechenden Tonband-Nummern. Nur sind dann die meisten Texte wiederum so langatmig, dass wir die Ausstellung relativ rasch abhandeln. Nur im letzten Ausstellungsraum entdecken wir ein Objekt, das unsere Aufmerksamkeit länger auf sich ziehen kann: ein Abguss des Haydn-Schädels. Und hier erfahren wir schließlich auch die genaue Kriminal-Geschichte rund um den verschwundenen Totenkopf und dessen Zusammenführung mit dem restlichen Skelett im Jahre 1954, das auch im Forchtenstein-Musical thematisiert wurde.
Der Rundgang schließt mit dem Besuch des prächtigen Haydn-Saales ab, der meinen Sprösslingen dann doch noch ein wohlwollendes Raunen entlocken kann. Schließlich kann man hier seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich mittenrein in ein höfisches Fürstenfest träumen…