Ein Muttertagsausflug wie er im Buche steht: Hetzendorf hat - soviel wissen wir jetzt - absolut nichts mit „hetzen” zu tun, sondern präsentiert sich an diesem Sonntag-Nachmittag als überaus chilliger, entspannter Ort. „Salon Jardin” heißt die Veranstaltung im dortigen Schlosspark und bietet eine Fülle an Inspirationen - für den Garten und das kindliche Gemüt.
Wir sind zu spät. Schon wieder. Das mit der Pünktlichkeit ist nicht so unsere Stärke. Um 14 Uhr hätte die Kräuterfee DI Elisabeth Mayer eine Schar voll Kinder durch den Schlosspark von Hetzendorf führen sollen, das sonst für seine Modeschule bekannt ist. Einmal im Jahr verwandelt sich der Park hinter dem Wiener Schulschloss allerdings in einen grünen Salon, der ausgesuchten Zierrat, Möbel und Pflanzen für den Traumgarten, Feines aus der Küche und wunderbar viel Platz für Picknick bietet. Das haben wir auch geplant, allerdings erst nach der Familien-Kräuter-Führung. Doch bei unserem Eintreffen um 14.10 Uhr war am Treffpunkt von der Kräuterfee natürlich nichts mehr zu sehen. Also hinterher im Sauseschritt. Nachdem wir den gesamten Schlosspark nach einer Gruppe zupfender und schnuppernder Kräutersammler abgesucht haben, entdecken wir statt dessen im Schatten eines großen Baumes eine bunte Decke, auf der sich einige Kinder samt Begleitung gemütlich zusammengefunden haben, um den Geschichten von Märchenerzählerin Christa Schmollgruber zu lauschen. Rasch dazugesellt hören nun auch wir vom kleinen Drachen, der verzweifelt nach dem Kraut Estragon sucht, um seinen Schluckauf loszuwerden, oder die indianische Geschichte, wie die Brom-, Him- und Erdbeeren als süße Verführung auf die Erde kamen. Aufmerksam hängen die Kids an den Lippen der Märchenerzählerin, verfolgen jede einzelne ihrer ruhigen, ausladenden Handbewegungen, ihre lebhafte Mimik und freuen sich am Ende der Erzählstunde über die kleinen Zaubersteine aus ihrer „Kokosnuss mit Reißverschluss”. Als Meisterin ihres Faches hat sie uns damit wunderbar über die verletzungsbedingte Absage der Kräuterfee hinweggetröstet.
Jetzt aber ist Picknick angesagt! Sogar Oma und Opa lassen sich zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Picknickdecke nieder und wir genießen gemeinsam das mitgebrachte Essen, das sonnige Wetter und die lässig-jazzige Livemusik, die unaufdringlich von der uralten Platane in der Mitte des Parks zu uns herüber dringt. Mit der 9jährigen Rosa finden sie Kids sogar eine nette Kameradin für ihre Barfuß-Nachlauf-Spielchen und einige Runden UNO.
Eigentlich hätten wir noch lange so weiterchillen können - wären da vor unserer Nase nicht die rund 60 Aussteller, die uns dann doch mit ihren teilweise wirklich originellen Ausstellungsstücken locken. Also stellen wir uns unter eine Sprühnebelmaschine, fingern in kunstvollen Brunnenanlagen herum, bestaunen die schöpferische Kraft eines richtigen Schmids, probieren riesige Sonnenhüte, verkosten Pesto-Variationen, suchen für Astrid einen kleinen, grünen Kaktus und testen witzige Recycling-Sitzmöbel, die u.a. aus Mülltonnen hergestellt wurden.
Und dann werden die Kids auch noch selbst kreativ, denn Rolf Fiedler vom Kinderatelier am Augarten hat Ton mitgebracht, mit dem die Kids nach Herzenslust gestalten können. Am Ende des Tages ist zwar die Picknicktasche leichter geworden, dafür nehmen wir halt jetzt ein Ton-Wandbild, zahlreiche Ton-Perlen und neben einem echten auch einen Ton-Kaktus mit nach Hause. Den Kids hat’s Spaß gemacht - und vielleicht lest ihr an dieser Stelle bald einen Bericht direkt aus der Ton-Werkstatt am Augarten…
