Ich mag das Wiener Palais Auersperg. Und zwar nicht nur, weil ich seit meinem Ferialpraktikum im Jahre „Schnee” weiß, wohin die eine oder andere geheime Tapetentür führt… Es ist schlichtweg schön dort - die eindrucksvolle Feststiege, der helle Wintergarten, die historischen Prunkräume. Derzeit findet das Literaturfestival für junge LeserInnen im barocken Palais statt - ein Gratis-Event, das sich seit nunmehr 32 Jahren der Kinder- und Jugendliteratur verschreibt. Eine bemerkenswert beständige und aufwändige Initiative, die Lust am Lesen vermitteln soll.
Leise, ganz leise huschen meine Kids und ich in den verdunkelten Großen Saal, in dem gerade Cordula Nossek mit der Geschichte „Das Mädchen und der Mond” begonnen hat. Mit raffinierten Effekten aus Licht und Schatten bringt sie den aufmerksamen Zuschauern dieses Märchen aus dem Land der Tschuktschen näher, samt schaurig-schönem Elch-Geröhre und einem auf einem Rentierschlitten herumflitzenden Taschenlampen-Mond.
Dieses Stück ist Teil des abwechslungsreichen Festivalprogrammes, das an sieben Tagen ganze 60 Lesungen, Theateraufführungen, Erzählstunden, Musikdarbietungen, Filmvorführungen, Kreativworkshops usw. umfasst. Herzstück des Literaturfestivals ist jedoch die große Buchausstellung: Drei Räume voller Kinderbücher … den Kids gehen beinahe die Augen über. 2000 Bücher sind es angeblich, die zum gemütlichen Schmökern und Lesen einladen. Damit könnten wir leicht den ganzen Nachmittag füllen, doch nach drei Tier-Sachbüchern und einem Fußball-Bilderbuch lockt ja schon die Geschichtenerzählerin Birgit Lehner in den Kleinen Saal. Sie erzählt uns von einem hungrigen Wanderer, der in der Fremde um Hilfe bittet und diese erst findet, als er sich eine leckere Steinsuppe kocht. Mir scheint fast, den Duft der Suppe riechen zu können, so anschaulich und hingebungsvoll wird hier im fiktiven Topf gerührt.
Im Anschluss lauschen wir via Kopfhörer Rudi Radiohund, der wochentags um 17.25 Uhr auf Ö1 Kinderwissen vermittelt. Ich habe ehrlich gesagt die Sendung noch nie live mitverfolgt, aber das wird sich ändern, denn nach dem heute gehörten Beitrag, in dem der Kosmonaut Franz Viehböck unterhaltsam und kindgerecht über seinen Ausflug ins Weltall plaudert, könnten wir zum Fan von Rudi Radiohund werden.
Höhepunkt des Tages - zumindest lässt der Besucheransturm darauf schließen - sollte wohl die Kindershow „Das kleine Vampir-ABC” von Gernot Kranner werden. Leider konnten die teilweise langatmigen Lieder und zusammenhanglosen Szenen, die keine einheitliche Geschichte erzählen, sondern unmotiviert zwischen ABC-Lernstunde und Vampir-Wissensvermittlung pendeln, meine Kids nicht sonderlich mitreißen. Schade eigentlich, denn der witzige und stimmgewaltige Musicaldarsteller Gernot Kranner (ist passenderweise derzeit im „Tanz der Vampire” zu sehen) sowie seine Handpuppe Vampirchen Gruselinchen hätten durchaus Potential für ein vergnügliches Kinder-Vampirstück, gerne auch mit Inhalt.
Das Literaturfestival endet zwar bereits am Mittwoch, den 17. März, doch eine Veranstaltung mit ähnlichem Charakter sind die „Märchentage” von wienXtra, ein Erzähl- und Theaterfest mit Schmink-, Spiel- und Kreativstationen für die ganze Familie. Letztes Jahr waren die „Märchentage” ebenfalls im Palais Auersperg zu Gast und wir genauso. Heuer (1. + 2. April 2010) übersiedeln sie ins Wiener Rathaus, was bekanntlich auch keine schlechte Adresse ist - auch wenn ich mich dort mit den Geheimtüren nicht so auskenne…
