„Das Schwarze, an das alle ganz nah ran schießen müssen, heißt Daube - so wie der Vogel!”, erklärt Gregor und ist ganz stolz, dass er sich das gemerkt hat. Schließlich ist es schon ein ganzes Jahr her, seit wir das letzte Mal auf dem Wiener Eistraum, also direkt vor dem Wiener Rathaus Eislaufen waren und ihm ein netter Herr die Grundregeln des Eisstockschießens erklärt hat. Schon damals hat sich Gregor - nachdem er vom vielen Selber-Schlittern müde wurde - für das Schlittern der vielen Eisstöcke interessiert. Und heuer ist es nicht anders. Sobald sich auf den beiden Eisstockbahnen (die übrigens unter der Woche bis 16 Uhr und am Wochenende ganztags den jüngsten Eisprinz[essinn]en gratis zur Verfügung stehen, um mithilfe süßer Stütz-Pinguine ihre ersten Schritte auf dem Eis zu wagen) die Eisstockschützen einfinden, ist mein Sohn von der verglasten Wand so gut wie nicht mehr wegzubringen.
Aber diese Auszeit hat er sich auch redlich verdient - schließlich ist er zuvor eh schon mehr als zwei Stunden lang gemeinsam mit Schwester, Tante und mir Schlittschuh gelaufen, mit Vorliebe auf den verschlungenen Traumpfaden, die heuer sogar in drei statt wie bisher in zwei Runden durch den Rathauspark führen und damit die große Eisfläche direkt vor dem Rathaus mit der kleineren nahe der Ringstraße verbinden. Damit wird die eisige Traumlandschaft noch unüberschaubarer und so der Spaß noch größer, denn Astrid und Gregor lieben es, sich unbemerkt an den jeweils anderen heran zu pirschen, um ihn dann ordentlich zu erschrecken oder einfach nur unauffällig zu verfolgen.
Jeder der schon mal dort war, wird es bestätigen können: Eislaufen am Wiener Eistraum ist schöner (allein die traumhafte Kulisse…), cooler (weil so vielfältig und überhaupt nicht fad), romantischer (besonders bei abendlicher Beleuchtung), aber auch anstrengender als auf jedem herkömmlichen Eislaufplatz! Denn obwohl es einem bei einem normalen Spaziergang über den langgestreckten Rathausplatz eigentlich nicht auffällt … es gibt ein beachtliches Gefälle vom Rathaus „hinunter” zum Ring. Und das bedeutet, dass wir uns beim „bergauf”-Fahren auf den Traumpfaden ordentlich ins Zeug legen müssen und in die andere Richtung schlittert man hingegen fast wie von selbst. Außerdem sind die Wege teilweise ein wenig holprig und das Eis darauf relativ rasch aufgefahren.
Klar, dass es bei diesem wilden Ritt auch öfter zu Stürzen kommt: Besonders Gregors Popo bekommt diesmal einiges ab (das Eislauf-Training ist in diesem Winter leider zu kurz gekommen). Meistens kann er sich gleich wieder aufrappeln, aber kaum bleibt er einmal ein bisschen länger auf dem Eis sitzen, ist auch schon einer der neongelb-bewesteten Sicherheits-Leute zur Stelle, die sich unter die Besucher mischen und generell für Ordnung auf dem Eis sorgen - ein sehr aufmerksames und wichtiges Service! Zum Glück müssen wir die prompt angebotene Hilfe nicht in Anspruch nehmen, sondern können gleich weiterflitzen - unser Ziel: die große, in der Zwischenzeit in buntes Discolicht getauchte Eisfläche, die sich zu Füßen des wunderbar illuminierten Rathauses erstreckt, um wieder einmal zu schauen, ob auf den benachbarten Eisstockbahnen schon was los ist…
