Stillen ist doch noch immer ein heiβes und viel diskutiertes Thema. Ob von Experten, beim Kinderarzt oder in der Spielgruppe – immer wieder wird die Frage gestellt, wie lange man denn eigentlich stillen soll? Oder ist es etwa eher ein Muss oder Darf? Und ein bisschen bekommt man den Eindruck, dass zwischen Nichtstillen und Langzeitstillen so mehr oder weniger alles erlaubt ist, was gefällt. Oder etwa doch nicht?

Wie lange soll frau denn nun stillen? Bild: karin/pixelio.de
Empfehlungen der Experten
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt bis zum sechsten Lebensmonat ausschlieβlich zu stillen. Argumente dafür sind die optimale Zusammensetzung der Muttermilch und somit, ernährungstechnisch gesehen, eine optimale Versorgung des Säuglings. Weiters stärkt das Stillen das Immunsystem des Babys und die Bindung zwischen Mutter und Kind.
Befürworter des Langzeitstillens sagen, dass es nur eine Modeerscheinung der Industrieländer ist, relativ früh mit dem Stillen aufzuhören. In Entwicklungsländern werde ja zum Beispiel auch viel länger gestillt und auch Spezies-übergreifende Studien hätten gezeigt, dass, biologisch gesehen, das Abstillalter bei sechs Jahren liegt – wie eben bei den Orang Utans auch. Also länger stillen - bei gröβeren Kindern natürlich in Kombination mit Beikost. Langzeitstillen wird jedoch nicht von allen Seiten gutgeheiβen. Ein deutscher Psychologe bezeichnete folglich eine britische Mutter, die ihren sechs Jahre alten Sohn noch immer stillt, als schlichtweg egoistisch, da sie, seiner Meinung nach, durch ihr Verhalten das Loslösen und somit Eigenständigwerden des Kindes behindere.
Na, und um die jungen Mütter endgültig zu verwirren, gibt es jetzt eine neue Studie aus England, die nun empfiehlt, nur noch vier Monate zu stillen und dann bereits mit Beikost zu beginnen. Ein Argument dieser Kinderärzte ist, dass Babys, die länger gestillt werden, häufiger an Allergien und Eisenmangel leiden (für mich völlig neu, denn bislang dachte ich immer, dass gerade bei allergiegefährdeten Kindern längeres Stillen empfohlen wird). Und es wäre ohnehin auch besser, Kinder schon möglichst früh mit neuen Geschmacksrichtungen vertraut zu machen.
Und da war die Verwirrung perfekt …
So, und wenn man jetzt all diese verschiedenen Still-Empfehlungen gelesen hat, dann fühlt man sich meist erst recht völlig verunsichert und weiß nun gar nicht mehr, was man denn machen soll. Äuβerst interessant finde ich aber, und das möchte ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten, dass drei der vier britischen Studienautoren unter anderem auch schon eng mit Herstellern der Babynahrungsmittelindustrie zusammengearbeitet haben. Besteht da denn eventuell ein Zusammenhang? Steckt da möglicherweise eine andere Motivation dahinter, junge Mütter schneller in die Arme der Babynahrungshersteller zu treiben? Ich möchte mir hier auf keinen Fall anmaβen, das zu behaupten. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass man neue Studien immer auch etwas kritisch betrachten sollte. Immer mit der Frage im Hinterkopf: Wer steckt denn hinter dieser neuen Studie und worauf beruft sie sich?
Nehmt fachliche Hilfe in Anspruch
Abschlieβend möchte ich jeder jungen Mutter einfach nur empfehlen, bei Fragen und Unsicherheiten, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sucht das Gespräch mit Personen, denen ihr vertraut und von denen ihr euch verstanden fühlt. Denn – Empfehlungen hin oder her – stillen hat doch auch etwas mit Bauchgefühl zu tun und sollte daher immer auch sehr individuell betrachtet werden. Versucht vor allem diese ersten Monate mit eurem Baby zu genieβen und lasst euch nicht unnötigerweise von irgendwelchen Studien etwas vorschreiben oder euch unter Druck setzen.