Artikel-Schlagworte: „Austernriff“

Auf Schatzsuche im tropischen Meer

geschrieben von: Edith Schillinger - am 19. April 2010
Edith Schillinger

„Da haben’s - damit die Kinder schneller was finden…”, raunt mir Herr Andreas zu, der die beiden Buddel-Buchten in der Fossilienwelt Weinviertel betreut, und lässt mir unbemerkt ein paar Haifischzähne und Perlen zukommen. Ich wiederum lasse sie in einem unbeobachteten Moment in eine kleine Mulde plumpsen und schaufle mit dem Fuß unauffällig ein bisschen Sand drüber. „Oh Kinder, schaut’s! Da funkelt was!” Und schon haben sie den ersten Sucherfolg - das versteht man hier also unter „Schürfgarantie”. Find ich richtig nett!

astrid-und-gregor-beim-buddelnAber auch ohne die zugesteckten Schätze wären die Kids tatsächlich fündig geworden. Es hätte bloß ein bisschen länger gedauert, bis der erste Haifischzahn im Schürfsieb hängen bleibt, während der feine Sand durchrieselt. Ziemlich schwer ist das Eisending allerdings für zarte Kinderarme. Die Kraft reicht nicht allzu lang, dann soll Mami ran. Gerne! Denn auch mich überkommt die Schatzsucher-Lust. „Schaut’s einmal im Indianerzelt nach!” - und tatsächlich finden sich hier drei weitere Perlen … Herr Andreas weiß halt, wo sich seine Schätze „versteckt” halten - danke für den Tipp!

Zwischendurch empfiehlt es sich, einfach achtsamen Auges über die beiden nebeneinander liegenden, als Haifischbecken bzw. Perlenbucht getarnten Sandflächen zu schlendern - gelegentlich stößt man sogar auf diese bequeme Weise auf so manche Kostbarkeit. Gregors Schatzsackerl füllt sich besonders rasch - was vor allem daran liegt, dass er darin auch „normale” Steine verschwinden lässt, weil „sie so schön glitzern, wenn man sie in die Sonne hält”. So erhöht sich die Ausbeute meiner beiden Schatzsucher auf insgesamt 9 schimmernde Perlen, 12 spitze Haifischzähne, 7 schöne Glitzersteine und 1 vergammeltes und dadurch sehr fossil wirkendes Blatt. Außerdem begegnen uns im Sand 2 tote und immerhin 4 lebendige Regenwürmer sowie ein schwarzer Marienkäfer mit roten Punkten drauf - den findet man nicht so oft - insofern gilt auch er  als “Schatz”, den Astrid fast noch lieber als die Perlen mit nach Hause genommen hätte…

Plötzlich, mitten unterm Schürfen, hören wir ein lautes Dröhnen und Rumpeln aus der großen Halle nebenan. Alles klar - da wird wohl gerade eindrucksvoll in Mulitmedia-Manier jener Tsunami simuliert, der vor Urzeiten das riesige Austernriff kippte, das heute als sensationelles Herzstück der Fossilienwelt im Rahmen einer Führung besucht werden kann. Die haben wir mit den Kids vergangenen Herbst mitgemacht und sie haben erfahren, dass sich vor rund 17 Mio. Jahren rund um Korneuburg die Ausläufer eines tropischen Meeres erstreckt haben, mit Mangrovensümpfen und einer unglaublich reichen Unterwasserwelt, wovon heute eine Unzahl an fossilen Funden Zeugnis ablegen. Unter anderem hat man hier die größte fossile Perle der Welt entdeckt - und im Museum ausgestellt.

Nachdem die Kids genug vom Buddeln haben, schauen wir noch rauf auf den Hügel, auf dem die 17 Meter hohe, gewundene orange-rote Turmschnecke in die Landschaft grüßt. Im Inneren führen 51 Stufen in ein Aussichtsstüberl, von wo wir durch große Glasflächen einen tollen Blick ins weite Land werfen und uns vorstellen, wie unter uns die Wellen des einstigen tropischen Meeres gegen die Turmpfeiler schwappen. Mit urzeitlichen Schwimm-Dinos drin, die gegen Riesen-Haie antreten und schwatzenden Austern, die sich an ihren Perlen verschlucken …. Upps - ich glaub, jetzt geht die Fantasie mit uns durch!