Zaghafte Trippelschrittchen, zusammengepresste Oberschenkel, hängende Schultern, im Kopf nur ein Gedanke: Bloß nicht zu schnell anfangen, sonst ….
… Mein Laufstil auf den ersten paar hundert Metern bestach bis dato wirklich nicht durch athletische Ästhetik. Erst allmählich bin ich üblicherweise „auf Touren gekommen”, habe ausladendere Schritte gewagt und die Nase in Laufrichtung statt auf den Waldboden gerichtet. Doch diesmal ist es anders. Diesmal begleitet mich jemand - jemand, vor dem ich mir wahrlich keine Blöße geben möchte: Bono und seine Mannen von U2! Die sitzen nämlich neuerdings beim Laufen in meinem Ohr und bescheren mir vom Start weg einen regelrechten Turbo-Boost, wie wir ihn zuletzt beim „Knight-Rider” erleben durften (und das ist tatsächlich schon ein Weilchen her - erinnert sich überhaupt noch jemand?). Auf jeden Fall zaubert dieser Sound in meinem Kopf einen derartigen Energieschub, dass ich ungezügelt loslaufe - nein: sprinte … kraftvoll, aufrecht, mit vollem Körpereinsatz. Welch Wohltat, beim Laufen seinen eigenen Schatten endlich bewundern zu können und nicht bedauern zu müssen.
Dass ich nach ein paar Minuten mein Tempo drastisch zügeln muss, um nicht aus den Schuhen zu kippen, versteht sich innerhalb der erfahrenen Läuferriege natürlich von selbst. Im dennoch bemüht athletischen Dauerlauf bin ich im Endeffekt meine „Haus- und Hofstrecke” von etwas über 5 Kilometer in 42 Minuten durchgelaufen - immerhin neue persönliche Bestzeit.
In den beiden Trainingsläufen zuvor war es eigentlich auch kein Problem mehr, die Gesamtstrecke durchzulaufen. Es spielt sich einfach so vieles im Kopf ab: sobald ich einmal die Erkenntnis gewonnen habe, dass ich fähig bin, 5 Kilometer durchzulaufen, kommen nun beim Laufen einfach gar keine Zweifel mehr auf, ob ich es schaffen würde oder nicht. Das ständige Auf-die-Uhr-Schauen ist Vergangenheit. Ich laufe und laufe, und bleibe einfach nicht stehen. Basta.
Mit dieser Sicherheit im Hinterkopf kann der Staffel-Ma(i)rathon am Samstag also getrost kommen. Sofern nicht plötzlich auftretende körperliche, witterungsbedingte, streckentopografische oder kinderbetreuungsorganisatorische (irgendeine Ausrede sollte man schließlich immer parat haben) Begleitumstände mir einen Strich durch die Rechnung machen, sollte mein Ziel, meine Staffeletappe unter 45 Minuten zu absolvieren, durchaus erreichbar sein. Zweimal noch schlafen - sagt mein Sohn - und dann werden wir’s wissen. Wir sehen uns auf der Seeschlacht!

