Noch vor einem halben Jahr habe ich mich regelmäßig mit meinem Sohn um unsere digitale Kompaktkamera gezankt. Seit Weihnachten nenne ich eine feine Spiegelreflexkamera mein eigen und Gregor darf nun uneingeschränkt mit der Hosentaschen-Version drauflos knipsen. Seit letztem Mittwoch sogar mit etwas mehr Ahnung von der Materie…
Die eigenen Hände zum Sucher verdreht, ein Auge zu, der Blick hindurch und plötzlich splittet sich die Welt ringsum in viele verschiedene potenzielle Fotomotive. Mit dieser einfachen aber effektiven Trockenübung startet Claudia Mayer in ihren Fotografieworkshop in der als Kinderplanet Kirango bekannten Kinderbuchabteilung der Wiener Hauptbücherei, bei dem sie den versammelten Jung-Fotografen den Prozess künstlerischen Schaffens vermitteln möchte. Gregor ist begeistert bei der Sache, denn nach ein bisschen Theorie heißt es „Ran an das Gerät”. Im Praxisteil lernt er Quer- und Hochformat kennen und hört das erste Mal von Vogelperspektive (also etwas von oben herab fotografieren), Froschperspektive (klar - dann also von unten) und Nahaufnahme, der offensichtlich seine ganze Leidenschaft gehört - schließlich verewigt er ca. 20 Mal formatfüllend mein rechtes Ohr.
Doch damit ist das geforderte Maß an Kreativität in diesem absolut empfehlenswerten Workshop noch nicht erfüllt - als nächstes soll jedes Kind ein Bild „inszenieren”, also ein beliebiges Objekt nach seinen eigenen Vorstellungen in Szene setzen und aus den verschiedenen Perspektiven heraus fotografieren.
So ähnlich aber noch spannender geht es nach dem Wechsel von der heimeligen Kinderbuchabteilung hinauf auf die herrliche Dachterrasse der Hauptbücherei weiter. Hier haben wir viel Platz, um die folgende Aufgabe in Angriff zu nehmen: das „Einfrieren” von Bewegung. Und wieder ist Einfallsreichtum gefragt: Den Regieanweisungen meines Sohnes gehorchend hüpfe ich wie ein Känguru, laufe, stakse, verdrehe meine Beine à la Charlie Chaplin und wackle mit dem Popo. Und Gregor knipst und knipst und knipst. Zuerst noch planlos und einfach irgendwie. Nach ein paar Tipps der netten Profi-Fotografin allerdings mit mehr System: er probiert die Serienaufnahmen-Funktion aus und fängt an, meine Bewegungen mit der Kamera zu verfolgen. Danach werden die jeweiligen Lieblingsbilder der einzelnen Kinder gemeinsam analysiert und dabei schnappen wir so interessante Vokabel wie „Goldener Schnitt” oder „Drittel-Regelung” auf, die einen spannungsreicheren Bildaufbau bewirken sollen, als wenn das Hauptmotiv fantasielos einfach in der Mitte des Fotos platziert wird. Sogar die unterschiedliche Belichtungszeit wird anhand eines Fotos thematisiert und dank der kindgerechten Erläuterungen wie etwa, dass man „bei langer Belichtungszeit mit Licht zeichnen kann” sogar halbwegs verstanden.
Wieder zuhause schaue ich mit Gregor die knapp 100 Fotos durch, die er allein bei diesem Workshop gemacht hat und überreiche ihm ein leeres Fotoalbum, in dem er ab sofort seine besten Aufnahmen sammeln kann. Dafür verspricht er mir stolz, das Gelernte in Zukunft auch anzuwenden und nicht alles und jeden und das am besten noch 20 Mal gleich zu fotografieren, sondern sich ganz bewusst für bestimmte Motive zu entscheiden. Mein rechtes Ohr wird es ihm danken.
Aber auch ohne die zugesteckten Schätze wären die Kids tatsächlich fündig geworden. Es hätte bloß ein bisschen länger gedauert, bis der erste Haifischzahn im Schürfsieb hängen bleibt, während der feine Sand durchrieselt. Ziemlich schwer ist das Eisending allerdings für zarte Kinderarme. Die Kraft reicht nicht allzu lang, dann soll Mami ran. Gerne! Denn auch mich überkommt die Schatzsucher-Lust. „Schaut’s einmal im Indianerzelt nach!” - und tatsächlich finden sich hier drei weitere Perlen … Herr Andreas weiß halt, wo sich seine Schätze „versteckt” halten - danke für den Tipp!
Doch zuvor ging es - mit blauen Schutzhelmen gesichert (netter Anblick) - in die große Kraftwerkhalle und danach mit dem Lift mehr als 20 Meter tief runter, wo wir eine Turbine von unten sehen konnten. Laut war es hier, es roch nach Schmieröl und dennoch waren wir tief beeindruckt, wie riesig das alles hier ist. Und wir bekamen einen Eindruck, wie Wasserkraft sinnvoll genutzt werden kann.
Dabei überrasche ich die Kids und ihren Daddy im beheizten Außenpool. Im Innenbecken war es ihnen zu heiß. Heraußen - und das kann man wörtlich nehmen - haben sie Platz zum Toben, denn meine drei Hartgesottenen schrecken nicht davor zurück, das warme Wasser zu verlassen, um sich kurz im Schnee zu wälzen. Das härtet hoffentlich ab!