Ihr Routenplan - Entfernung 824 km

geschrieben von: Gudrun Dupoirieux - am 5. August 2010
Gudrun Dupoirieux

Vor kurzem hat uns Bettina in diesem Blog so tolle Tipps für’s Reisen mit Kindern und lange Autofahrten gegeben. Nach genauer Lektüre und bewaffnet mit sechs Seiten Streckenbeschreibung, die uns der Routenplan ausgespuckt hatte, haben wir uns am Montag auf den Weg gemacht und unsere Fahrt mit dem Auto von Paris nach Waltenhofen im Allgäu gestartet. 824 km hatten wir mit den Kindern also vor uns. Doch wir waren ja gut vorbereitet…

Und los geht’s

Fahren Sie auf die A4. Bei Kilometer 57 müssen wir das erste Mal halten - Pipi Pause. Doch nur nicht zu lange aufhalten, denn wir müssen ja noch weiter fahren. Fahrer und Beifahrer versuchen diverse Musikwünsche aus der zweiten Reihe zu erfüllen. Und die Kinder sind noch relativ leicht zufrieden zu stellen.

Kompass und Landkarte

Mit Kompass, Kind & Kegel im Auto unterwegs, Foto: Franz Haindl/pixelio.de

Bei Kilometer 133 dann die Frage: “Wann sind wir denn da?” Hm, was soll man da jetzt sagen? “Noch 6 1/2 Stunden, meine Lieben”?! Bei dem Gedanken wird einem ja selber fast übel.
Radar: auf A4 bei km 139,7 nahe Reims.
Mist, da muss wohl wo ein Radar gestanden haben, aber was soll’s. Weiter geht es und wir passieren Gebührenstationen, gefährliches Gefälle und Radarfallen - ohne erwähnenswerte Schwierigkeiten.

“Hunger!”

Bei Kilometer 166 dann: “Hunger!” Doch wir versuchen, die kleine Bande noch etwas zu vertrösten und auch die Ankündigung, bei Kilometer 189 Sie fahren schon seit 2 Stunden, machen Sie doch mal eine kurze Pause! wird erstmal einfach ignoriert.
Also frisch und fröhlich weiter auf der A4 Richtung Strassburg.
Bei Kilometer 402 können die Rufe nach Essen aus der hinteren Reihe dann doch nicht mehr ignoriert werden, und so suchen wir einen schönen Autobahnrastplatz, um unser Picknick einzunehmen. Die Vorbereitungen dafür wurden ja zum Glück vor der Abfahrt schon getroffen und so freut sich jeder über ein leckeres Sandwich à la Parisienne.
Fast 40 Minuten später sind wir dann alle wieder gestärkt im Auto und setzen unsere Reise fort. Nun Frau am Steuer, wohlgemerkt. Und ich muss ehrlich sagen, ich empfinde die Abwechslung als sehr angenehm. Und mein Mann bemerkt schnell, dass ‘beifahren’ nicht automatisch heißt, man(n) hätte nichts zu tun…
Bei Kilometer 493 wird dann zum ersten Mal deutsches Land angekündigt. Und der Jubel der Kinder ist überraschend groß, als wir nach 532 Kilometern in Deutschland einreisen, denn sie meinen nun am Ziel der Reise angekommen zu sein. Doch “Nein meine Lieben, wir sind leider noch lange nicht am Ziel.”

“Ganz ruhig, ganz ruhig.”

Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht mehr genau, wer dann wann geschlafen hat und wer womit wann angefangen hat.
Fahren Sie auf B28 Richtung Kempten. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich gerade anfing, mir Gedanken darüber zu machen, wie gut man denn dieses Kindergezetere und -geschreie eigentlich auch ausblenden kann, als mich unsere Kleinste in die Realität zurückholte und zum ersten Mal ankündigte: “Ich muss spucken.” Doch nein, davon stand doch wirklich nichts im Routenplan! Also erstmal Fenster auf. Ganz ruhig ein- und ausatmen und den Blick nach vorne. “Marie, gib doch mal die Plastiktüte weg vom Gesicht. Ganz ruhig, ganz ruhig.”
Puh, Kilometer 578 grad noch mal gut hinter uns gebracht. Bin mir allerdings nicht so sicher, ob die Aufforderung zur Ruhe grad eben ihr oder mir gilt. Doch da: Tankleuchte. Gut, also zur nächsten - nein, soweit kommen wir gar nicht mehr. “Spucken…”. Luca reicht ihr grad noch mal rechtzeitig die Plastiktüte hin und da geht es schon los. Aber ich muss sagen: gut gemacht für eine Dreijährige und dann ganz relaxed die Tüte dem Papa nach vorne gereicht. Also, noch ein guter Grund bei der nächsten Tankstelle zu stoppen. Gesagt, getan. Tankstopp bei Kilometer 809 und dann weiter. Fahrerwechsel und dann Weiterfahren auf A980. “Wir haben Hunger”, wieder einmal der Chor aus der zweiten Reihe. Also noch ein paar Kekse und Soletti, die auch Marie schon wieder fröhlich in sich hineinstopft.

“Wir sind da!”

Im Cockpit ist jetzt allerdings noch mal die volle Aufmerksamkeit gefragt. Weiterfahren auf B19, nach rechts abbiegen, OA22, Geschwindigkeits-Begrenzung auf 50 km/h, scharfe Rechtskurve. Die vom Routenplaner angekündigten Ereignisse überschlagen sich fast in den letzten fünfzehn Minuten. Doch nun - Kilometer 824: “Kinder, wir sind da! Ihr habt das gut gemacht!”
Etwas steif klettern wir alle aus dem Auto.

Schlagworte: , , ,


3 Kommentare zu „Ihr Routenplan - Entfernung 824 km“

  1. Gast sagt:

    oh- mein Gott ihr seid echt mutig. Ohne DVD Player für die Kinder hätte ich mir das nicht angetan.

  2. Gudrun sagt:

    Tja, ich hatte auf Hoerspiele gesetzt, doch da das Auto leider keine vorne/hinten Regelung fuer die Lautsprecher hat, war das dann auch nix. Habt ihr einen DVD fuers Auto?
    GUDRUN

  3. Gast sagt:

    DVD- ja. Das war mit dem Navigationssystem bei uns gotteisdank integriert. Es hilft uns immer sehr beim Autofahren. Oder auch zu Hause, wenn ich fuer 3 Minuten in den Supermarkt muss, dann lass ich die Kids im Auto und weiss einfach , dass sie auf keine dummen Gedanken kommen…

Kommentieren