Archiv für Mai 2010

Kirango Digital

geschrieben von: Edith Schillinger - am 18. Mai 2010
Edith Schillinger

Noch vor einem halben Jahr habe ich mich regelmäßig mit meinem Sohn um unsere digitale Kompaktkamera gezankt. Seit Weihnachten nenne ich eine feine Spiegelreflexkamera mein eigen und Gregor darf nun uneingeschränkt mit der Hosentaschen-Version drauflos knipsen. Seit letztem Mittwoch sogar mit etwas mehr Ahnung von der Materie…

gregor-im-sucher-ausschnittDie eigenen Hände zum Sucher verdreht, ein Auge zu, der Blick hindurch und plötzlich splittet sich die Welt ringsum in viele verschiedene potenzielle Fotomotive. Mit dieser einfachen aber effektiven Trockenübung startet Claudia Mayer in ihren Fotografieworkshop in der als Kinderplanet Kirango bekannten Kinderbuchabteilung der Wiener Hauptbücherei, bei dem sie den versammelten Jung-Fotografen den Prozess künstlerischen Schaffens vermitteln möchte. Gregor ist begeistert bei der Sache, denn nach ein bisschen Theorie heißt es „Ran an das Gerät”. Im Praxisteil lernt er Quer- und Hochformat kennen und hört das erste Mal von Vogelperspektive (also etwas von oben herab fotografieren), Froschperspektive (klar - dann also von unten) und Nahaufnahme, der offensichtlich seine ganze Leidenschaft gehört - schließlich verewigt er ca. 20 Mal formatfüllend mein rechtes Ohr.

Doch damit ist das geforderte Maß an Kreativität in diesem absolut empfehlenswerten Workshop noch nicht erfüllt - als nächstes soll jedes Kind ein Bild „inszenieren”, also ein beliebiges Objekt nach seinen eigenen Vorstellungen in Szene setzen und aus den verschiedenen Perspektiven heraus fotografieren.

So ähnlich aber noch spannender geht es nach dem Wechsel von der heimeligen Kinderbuchabteilung hinauf auf die herrliche Dachterrasse der Hauptbücherei weiter. Hier haben wir viel Platz, um die folgende Aufgabe in Angriff zu nehmen: das „Einfrieren” von Bewegung. Und wieder ist Einfallsreichtum gefragt: Den Regieanweisungen meines Sohnes gehorchend hüpfe ich wie ein Känguru, laufe, stakse, verdrehe meine Beine à la Charlie Chaplin und wackle mit dem Popo. Und Gregor knipst und knipst und knipst. Zuerst noch planlos und einfach irgendwie. Nach ein paar Tipps der netten Profi-Fotografin allerdings mit mehr System: er probiert die Serienaufnahmen-Funktion aus und fängt an, meine Bewegungen mit der Kamera zu verfolgen. Danach werden die jeweiligen Lieblingsbilder der einzelnen Kinder gemeinsam analysiert und dabei schnappen wir so interessante Vokabel wie „Goldener Schnitt” oder „Drittel-Regelung” auf, die einen spannungsreicheren Bildaufbau bewirken sollen, als wenn das Hauptmotiv fantasielos einfach in der Mitte des Fotos platziert wird. Sogar die unterschiedliche Belichtungszeit wird anhand eines Fotos thematisiert und dank der kindgerechten Erläuterungen wie etwa, dass man „bei langer Belichtungszeit mit Licht zeichnen kann” sogar halbwegs verstanden.

Wieder zuhause schaue ich mit Gregor die knapp 100 Fotos durch, die er allein bei diesem Workshop gemacht hat und überreiche ihm ein leeres Fotoalbum, in dem er ab sofort seine besten Aufnahmen sammeln kann. Dafür verspricht er mir stolz, das Gelernte in Zukunft auch anzuwenden und nicht alles und jeden und das am besten noch 20 Mal gleich zu fotografieren, sondern sich ganz bewusst für bestimmte Motive zu entscheiden. Mein rechtes Ohr wird es ihm danken.

Märchenhaft, inspirierend, Ton-angebend

geschrieben von: Edith Schillinger - am 10. Mai 2010
Edith Schillinger

Ein Muttertagsausflug wie er im Buche steht: Hetzendorf hat - soviel wissen wir jetzt - absolut nichts mit „hetzen” zu tun, sondern präsentiert sich an diesem Sonntag-Nachmittag als überaus chilliger, entspannter Ort. „Salon Jardin” heißt die Veranstaltung im dortigen Schlosspark und bietet eine Fülle an Inspirationen - für den Garten und das kindliche Gemüt.

Wir sind zu spät. Schon wieder. Das mit der Pünktlichkeit ist nicht so unsere Stärke. Um 14 Uhr hätte die Kräuterfee DI Elisabeth Mayer eine Schar voll Kinder durch den Schlosspark von Hetzendorf führen sollen, das sonst für seine Modeschule bekannt ist. Einmal im Jahr verwandelt sich der Park hinter dem Wiener Schulschloss allerdings in einen grünen Salon, der ausgesuchten Zierrat, Möbel und Pflanzen für den Traumgarten, Feines aus der Küche und wunderbar viel Platz für Picknick bietet. Das haben wir auch geplant, allerdings erst nach der Familien-Kräuter-Führung. Doch bei unserem Eintreffen um 14.10 Uhr war am Treffpunkt von der Kräuterfee natürlich nichts mehr zu sehen. Also hinterher im Sauseschritt. Nachdem wir den gesamten Schlosspark nach einer Gruppe zupfender und schnuppernder Kräutersammler abgesucht haben, entdecken wir statt dessen im Schatten eines großen Baumes eine bunte Decke, auf der sich einige Kinder samt Begleitung gemütlich zusammengefunden haben, um den Geschichten von Märchenerzählerin Christa Schmollgruber zu lauschen. Rasch dazugesellt hören nun auch wir vom kleinen Drachen, der verzweifelt nach dem Kraut Estragon sucht, um seinen Schluckauf loszuwerden, oder die indianische Geschichte, wie die Brom-, Him- und Erdbeeren als süße Verführung auf die Erde kamen. Aufmerksam hängen die Kids an den Lippen der Märchenerzählerin, verfolgen jede einzelne ihrer ruhigen, ausladenden Handbewegungen, ihre lebhafte Mimik und freuen sich am Ende der Erzählstunde über die kleinen Zaubersteine aus ihrer „Kokosnuss mit Reißverschluss”. Als Meisterin ihres Faches hat sie uns damit wunderbar über die verletzungsbedingte Absage der Kräuterfee hinweggetröstet.

Jetzt aber ist Picknick angesagt! Sogar Oma und Opa lassen sich zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Picknickdecke nieder und wir genießen gemeinsam das mitgebrachte Essen, das sonnige Wetter und die lässig-jazzige Livemusik, die unaufdringlich von der uralten Platane in der Mitte des Parks zu uns herüber dringt. Mit der 9jährigen Rosa finden sie Kids sogar eine nette Kameradin für ihre Barfuß-Nachlauf-Spielchen und einige Runden UNO.

Eigentlich hätten wir noch lange so weiterchillen können - wären da vor unserer Nase nicht die rund 60 Aussteller, die uns dann doch mit ihren teilweise wirklich originellen Ausstellungsstücken locken. Also stellen wir uns unter eine Sprühnebelmaschine, fingern in kunstvollen Brunnenanlagen herum, bestaunen die schöpferische Kraft eines richtigen Schmids, probieren riesige Sonnenhüte, verkosten Pesto-Variationen, suchen für Astrid einen kleinen, grünen Kaktus und testen witzige Recycling-Sitzmöbel, die u.a. aus Mülltonnen hergestellt wurden.

Und dann werden die Kids auch noch selbst kreativ, denn Rolf Fiedler vom Kinderatelier am Augarten hat Ton mitgebracht, mit dem die Kids nach Herzenslust gestalten können. Am Ende des Tages ist zwar die Picknicktasche leichter geworden, dafür nehmen wir halt jetzt ein Ton-Wandbild, zahlreiche Ton-Perlen und neben einem echten auch einen Ton-Kaktus mit nach Hause. Den Kids hat’s Spaß gemacht - und vielleicht lest ihr an dieser Stelle bald einen Bericht direkt aus der Ton-Werkstatt am Augarten…

Alles was mit Vögeln zu tun hat…

geschrieben von: doalittle - am 9. Mai 2010
doalittle

ups, natürlich meinte ich Vögel…deutsche Sprache ist wirklich eine schwierige Sprache. Alles was mit Vögel zu tun hat, war das Motto des Frühlingskonzertes verschiedener Chöre in unserem Ortszentrum. Ca. 75 Kinder waren anwesend und haben zu diesem Thema einstudierte Lieder und Canon zum Besten gegeben. Ein Chor hatte sogar einen Überraschungsgast mitgebracht - eine schwarze Henne. Obwohl es sich um Kinder im Volksschulalter handelte, haben sie die Lieder in verschiedenen Sprachen verständlich dargeboten und vor allem 3stimmig gesungen - laut, falsch und mit Begeisterung. Nein, nein das war jetzt nur gescherzt - ich selber war von der Vorstellung hingerissen und so manches Lied ist mir unter die Haut gegangen.

Nur eines hat mich etwas traurig gemacht - Normalerweise ist der Saal überfüllt und alle Sitzplätze nach kurzer Zeit vergeben. Und obwohl das Konzert erst um 18.30 Uhr angefangen hat, waren kaum Eltern anwesend, Sitzplätze sind leer geblieben und wären nicht ein paar Ehrengäste, Lehrer und Elternvereinsvertreter anwesend gewesen, hätten die Kinder vor einer wirklich geringen Anzahl von Zuschauern singen müssen. Ich war nicht nur überrascht, sondern vor allem traurig darüber. Es stimmt schon, dass ich auch nicht immer an allen schulischen Veranstaltung anwesend sein konnte, aber dann hatte ich zumindest eine Vertretung aus der Familie dort. Schließlich ist es doch eine besonders große Freude für Kinder Ihr Können zu präsentieren und mit allen Anwesenden den Auftritt zu feiern und zu würdigen. Mein Mutterherz macht es einfach stolz, zu sehen, wie viel Freude die Kleinen auf der Bühne haben können und meist auch keine Scheu vor einem öffentlichen Auftritt zeigen.

Ich werde nie die strahlenden Augen meines Jungen anlässlich einer Weihnachtsvorstellung im Kindergarten vergessen, als er mich in der 3. Reihe entdeckt hat und überwältigend die Rolle des Sterns wahrgenommen hat. Leider werden solche Veranstaltungen nur mehr selten organisiert, da sie meist unbedankt und wirklich zeitaufwendig in der Vorbereitung sind. Daher genieße ich umso mehr, wenn meine Kleinen die Möglichkeit dazu haben. Viele fühlen sich gegen Schulschluss besonders gestresst - so viele Termine heisst es da. Wir haben in unserer Familie hier Prioritäten vergeben und so sehen wir jeder Veranstaltung entspannt entgegen. Für mich ist es sogar eine Einstimmung auf die Ferien und die warme Jahreszeit. Abends haben wir keine Eile, da die Kinder erst bei Dunkelheit Müdigkeit verspüren und morgens meist mit dem Sonnenaufgang wieder aufwachen. Unsere gesamte Familie kann soziale Kontakte auffrischen, pflegen und neue knüpfen. Aus manchen Bekanntschaften werden manchmal sogar intensive Freundschaften. Und ganz besonders freue ich mich immer wieder, wenn mich die Kleinen unter den Zuschauern entdecken und ein Hauch von Freude und Glück über Ihr Gesicht huscht. Meistens verschwindet die anfängliche Anspannung und macht der Begeisterung Platz. Besonders lustig war ein Erlebnis mit dem kleinen Bruder, welcher einen unbeobachteten Augenblick, da ich die Kamera bediente, ausnutzte und zu seiner großen Schwester auf die Bühne stürzte. Nur mit Mühe war er wieder wegzubekommen und hat das Publikum zum Lachen gebracht. Leider bekam ich große Vorwürfe damals zu hören, welche ich heute nicht mehr so ernst nehmen würde. Damals war mein Nervenkostüm nur leider sehr dünn, da es die erste Veranstaltung für mich ohne Begleitung meines Ehemannes war und ich mit meinem kleinen Baby und unterdrückten Tränen den Saal rasch verließ, um meine aufbrausenden Gefühle in der kalten Winternacht wieder zum Beruhigen zu bringen.

Rückblickend war es gar nicht das erste Mal - aber im Bewusstsein habe ich damals vieles das erste Mal wahrgenommen. Daher kann ich nur jeden darauf hinweisen, die verschiedenen Lebensabschnitte, vor allem mit den Kindern, stressfrei und bewusst zu verbringen - denn realistisch gesehen, kann man fast auf der Hand die Anzahl der Weihnachtsfeiern, Schulabschlüsse etc. abzählen, welche wir mit den Kindern gemeinsam feiern dürfen. Dies sehe ich auch im Erleben der Jahreszeiten, nachdem ich mal abgezählt habe, wie viele ich vielleicht noch erleben werde, wenn ich von der durchschnittlichen Lebenserwartung mal ausgehe.

Und so erfreue ich mich an jedem Gewitter, jedem Sonnenauf- oder Untergang, jedem Schneefall. Und wenn es die Zeit zulässt, können wir von den Kleinsten besonders viel lernen, wie viel Freude sie an den Kleinigkeiten in der Umgebung haben - minutenlang stehen sie vor einer Lacke und beobachten die auseinanderrollenden Wasserwellen beim Heineintippen. Oder wie schnell füllen sich die Gummistiefel mit Wasser, wenn sie in den Lacken herumhüpfen. Am Besten hat mir immer gefallen, wie viel Freude sie daran haben im Regen herumzuhüpfen und die eigenen Haare nasser werden zu fühlen. Von den Wimpern hingen die Tropfen und die Kleidung klebte immer mehr auf ihrer Haut. Je schwerer die Kleider wurden, umso langsamer wurden die Bewegungen. Danach haben sie sich unter der dampfenden Dusche oder im warmen Bad wiedererwärmt. Der Hunger war riesig und die Nachtruhe entspannend. Schon vor Jahren habe ich festgestellt, dass Zeit in unserer heutigen Gesellschaft und hiesigen Kultur das wichtigste Gut ist. Viele haben diese nur sehr spärlich. Aber sehr viele pfropfen Ihren Terminkalender sicher unnötig voll. Wenn ich z.B. FreundInnen meiner Kinder zum Spielen einladen möchte, muss ich manches mal für viele Wochen im voraus dort anfragen - wo bleibt da die Spontaneität - aber glücklicherweise ist das nicht bei allen so.

Ich freue mich in jedem Fall schon auf die nächste Veranstaltung meiner Kinder - nach dem Motto: let’s meet again