Bei 66 habe ich aufgehört zu zählen. Und dabei bin ich erst bei ungefähr der Hälfte angekommen. Mehr als 100 Kinder werden es also bestimmt gewesen sein, die am vergangenen Sonntag dem Ruf der Sioux-Indianer gefolgt sind und sich einen spannenden Gratis-Familien-Vormittag im Museum für Völkerkunde erhofft haben. Beim Anblick dieser riesigen Menge war Skepsis angebracht. Wie soll das mit so vielen Kindern denn funktionieren…?
Aber erstaunlicherweise klappte es ganz gut. Die Museumspädagogin Christine bemühte sich redlich, dem Ansturm gerecht zu werden. Die Kinderführung durch die Ausstellung „Sitting Bull und seine Zeit” lief also folgendermaßen ab: Christine ließ die bunte Kinderschar am Boden Platz nehmen, Eltern standen brav dahinter und mit kräftiger, klarer Stimme erzählte sie weniger von der Indianer-Ikone Sitting Bull selbst, sondern vielmehr Interessantes vom Leben der Indianer allgemein, von Pferden und Bisons, Gewändern und Federschmuck - also genau das, was die Kinder auch hören wollten. Und dabei waren die Kids und Erwachsene - oh Wunder - überraschend diszipliniert, relativ aufmerksam und bekamen wirklich einiges mit.
So haben wir z.B. erfahren, dass das Tipi immer der Indianer-Frau gehörte. Also hatte sie das Recht, dem Mann - wenn er sich nicht ordentlich benommen hat oder nicht nett zu den Kindern war - als Warnung seine Mokassins vor das Zelt zu stellen. Nach dreimaliger Verwarnung musste er aus dem Zelt ausziehen, um evt. wieder bei seinen Eltern unterzutauchen. Erst wenn er sich gebessert hat, durfte er zurück. Dieser Brauch war mir bisher nicht bekannt und ich finde ihn gar nicht so übel…
Im Anschluss an die Führung wurden Rätselrallye-Unterlagen ausgeteilt, in ungewöhnlich umfangreicher Ausfertigung. Auf rund 20 Seiten wurden viele - zum Teil recht knifflige - Aufgaben gestellt. Teilweise haben wir die passenden Antworten in der Ausstellung nachrecherchieren müssen. Um bei der Verlosung teilnehmen zu können, haben aber fünf gelöste Fragen genügt. Und tatsächlich - Gregor hatte Glück und hat ein wunderschönes Indianer-Wissensbuch gewonnen. Ein sehr großzügiger Gewinn, worüber sich mein Sohnemann unheimlich gefreut hat!
Als Abschluss des dreistündigen Programms erwarteten uns im großen Mit-Mach-Saal einige Bastelideen: vom Papier-Tipi über Ausmal-Masken und Kojoten-Faltvorlagen bis hin zu raffinierten Indianergeschichten-Comicstrips im Streichholzschachtel-TV … da waren auch die Eltern gefordert. Darüberhinaus hat uns Christine mit weiteren Spielanregungen und Nähanleitungen für Mokassins für daheim versorgt - man hat deutlich gemerkt, dass sie dem Thema auch persönlich sehr zugetan war.
Was mir noch aufgefallen ist: Erstaunlich viele Papas waren mit ihrem Nachwuchs unterwegs - anscheinend kann man mit dem Thema „Cowboy und Indianer” nicht nur bei den Kids, sondern auch bei den ganz großen Jungs immer wieder punkten!
Reinhard Nowak, Jahrgang 1964, erweckt in seinem neuen Programm seine bzw. unsere Kindheit aus den 70ern. Die stundenlangen Spaziergänge jedes Wochenende durch den Wiener Wald oder Schaufensterbummeln am Sonntag vor verschlossenen Ladentüren. Aufklärung dank Doktor Sommer und heimliche Blicke im Freibad gehören da genauso dazu wie die ersten gescheiterten Liebesbeziehungen.
Farbenfroh und fantasievoll war’s - so wie sich das für „Holiday on Ice” gehört und wie ich es auch aus meiner Kindheit noch in Erinnerung habe, mit tollen Eisläufern und noch tolleren Kostümen (unsere Favoriten: die fluoreszierenden Seepferdchen, Fische und Meerjungfrauen, die Salsa-Mädels mit Vogelkäfigen auf dem Kopf sowie die ca. 30 Zebras, die wie ein Kreisel über die Eisfläche wirbeln). Allerdings wurde die Show in der Zwischenzeit mit mehr Technik und Effekten aufgemotzt. So schwebt heute über dem Eis eine große, begehbare Lichterkugel, die sich - genauso wie der riesige Ring drum herum, der ebenfalls mit Eislaufschuhen befahren werden kann - auch absenken lässt … alles recht spacig im UFO-Outfit. Das Thema der Show „Energia” lässt sich zwar nicht wirklich als roter Faden erkennen, aber das ist vermutlich auch nicht das erklärte Ziel der Produktion. Als spektakuläres Feuerwerk an bunten Bildern bietet „Holiday on Ice” nach wie vor beste Familienunterhaltung ohne weiteren Erklärungsbedarf. Man braucht nur hin (bzw. hinter sich) zu schauen und die Eindrücke wirken lassen.
Diese Frage habe ich mir um 1 Uhr Früh gestellt! Wofür ich mich entschieden habe?