Diese Woche hat fast unsere ganze Familie das Gesetz der Schwerkraft schmerzhaft kennengelernt und damit auch die teils unterschiedlichen Reaktionen unbeteiligter Zuschauer. So mancher springt heroisch herbei und handelt selbstlos, andere wiederrum stellen eine Pseudo-Frage auf die sie nicht wirklich mit einer Antwort rechnen und wenn sie diese doch erhalten, vollkommen unpassend reagieren.
Das erste Erlebnis machte meine kleine Tochter – nach der Schule stürzen ja alle Kinder förmlich aus dem Schulgebäude. Daher gefallen mir auch die Sicherheitstafeln in Slowenien so gut, wo in der Nähe der Schulen auf den Tafeln das Herauslaufen der Kinder in Form einer Explosion dargestellt wird. Sie sind so voller Energie und diese will einfach beim Verlassen des Gebäudes ausgelebt werden und wie … tja, meine Kleine hat dies nicht ganz unbeschadet diese Woche überstanden und landete natürlich nach einem übersehenen Stein auf den Knien. Der Nachteil im Sommer ist, dass die Knie unter dem dünnen Sommerkleidchen den scharfkantigen Böden ungeschützt ausgeliefert sind. Ohne zu zögern, zaubert meine Mutter die eingesteckten Feuchttücher herbei und säubert und kühlt die verletzten Stellen. Ein angedeuteter Kuss lindert die Schmerzen schnell.
Keine 500 m weiter hat meine Mutter leider nicht so schnell reagiert. Sie war einfach geschockt. Die beiden Buben sind in der Zwischenzeit vorausgelaufen. Die warnenden Rufe, nicht so nah an der Baustelle vorbeizulaufen, haben sie schlichtweg überhört (nicht so wie das Schokoladenpapier
) und so musste es kommen, dass einer der Beiden dem Anderen im Weg war und beide hinfielen. Unangenehm war v.a. der noch heiße Teer. Gott sei Dank war sofort ein hilfsbereiter Bauarbeiter zur Stelle und hat mit Benzin das Bein sofort abgewaschen und geschrubbt. So blieb nur eine kleine offene Wunde am Knie. Ich war begeistert von so viel Hilfsbereitschaft und bewundere die Tapferkeit meines kleinen Jungen, da die Behandlung vor Ort ganz sicher höllisch weh getan haben muss. Aber heute konnte er aufgrund der selbstlosen Hilfeleistung wieder Baden gehen.
Anders war es bei mir. Offensichtlich erwecke ich nicht mehr die väterlichen oder mütterlichen Instinkte, v.a. wenn ich mit meinen Kindern in den Einkaufsstraßen von Tulln unterwegs bin. Ein abgeschrägter Bordstein wurde von mir nicht als schräg eingestuft und so kam es, dass ich mit dem Fuß geknickt bin und glücklicherweise mir nicht den Knöchel gebrochen habe, sonder stuntmäßig hingefallen bin. Das muss für meine Kleinen furchtbar anzusehen gewesen sein. Ich bin bäuchlings mit allen vier von mir gestreckt auf der Straße gelegen. Und das Beste kommt: Eigentlich bin ich eines Pärchen wegen ausgewichen und der männliche Begleiter fragt mich zuerst: „Ist alles in Ordnung?“ Ich verneine. Er bleibt 5 sec. stehen und geht dann weiter ????????
Nachdem ich mich v.a. aufgrund dieser Tatsache ein wenig fassen musste, bin ich wieder aufgestanden und habe zwar einige Schrammen am Körper verteilt in Kauf genommen, bin aber sonst ganz gut davon gekommen. Die Hilfsbereitschaft des Passanten hat mich förmlich umgehaut. Am Meisten hat mir mein Kleinster leid getan – er hatte solche Angst um mich. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Er hatte noch nie gesehen, dass sich Mami weh getan hat und noch vor dem Einschlafen bitterlich geweint. Er hatte wirklich große Angst um seine Mami. Das hat meine Schmerzen rasch vergehen lassen und ich habe ihm gesagt, dass alles wieder in Ordnung ist. Es muss fürchterlich für Kinder sein, zu sehen, dass Ihre Eltern oder Geschwister verwundbar sind. Umso mehr verstehe ich jetzt, warum Kriseninterventionen nach Katastrophen so wichtig sind und ziehe den Hut vor allen, die hier ehrenamtlich mitarbeiten und so vielen Menschen schon geholfen haben. Ich hoffe auf eine gute Vernetzung in der Zukunft, da uns sicherlich immer wieder die verschiedensten Erlebnisse bevorstehen und wir manchmal alleine nicht im Stande sind diese zu bewältigen.
