Archiv für November 2009

Alle Jahre wieder - was schenken wir den Schwiegereltern?

geschrieben von: Freigeist - am 28. November 2009
Freigeist

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit höre ich mich selbst ganz deutlich meinem Mann folgendermaßen drohen: „Heuer denkst du dir zur Abwechslung mal selbst ein Geschenk für deine Eltern aus. Du kennst sie immerhin viel länger als ich. Also lass dir gefälligst was einfallen!” Und schon am nächsten Tag ertappe ich mich wieder dabei, die Werbeprospekte nach einem passenden Geschenk für die lieben Schwiegereltern durchzuforsten.

Nach den eher praktischen Geschenken der Vorjahre (Trockenhaube, Nachthemd, Abschleppseil, Brotschneidemaschine usw.) könnte es heuer doch auch mal etwas weniger Nüchternes sein, etwas Emotionaleres, vielleicht etwas fürs persönliche Wohlbefinden. Oder eine Kurzreise wäre ja auch nicht schlecht. Schließlich hatten sie beide heuer ihren „70er” und da war bisher noch kein gemeinsames Geschenk dabei.

Warum also nicht beides verbinden und einen Gutschein für ein nettes Wellnesswochenende in Österreich verschenken? Massagen mögen sie doch beide und einem Besuch in der Sauna sind sie schließlich auch nicht abgeneigt. Mein Mann ist - wie immer, wenn ich ihm seine Arbeit abnehme - sehr dankbar und stimmt gleich zu. Während er für das Falkensteiner Hotel in Bad Waltersdorf plädiert (weil wir da im Sommer ja auch schon mal waren und nicht enttäuscht wurden), schwärme ich von Leoben - da habe ich im dazugehörigen Falkensteiner Hotel im Internet einen Gutschein für einen asiatischen Kurztrip ab € 84,- entdeckt. Klingt sehr interessant.

Da wir uns also bei der Wahl eines konkreten Hotels nicht einigen können (ich war ja schon froh, dass mein Mann überhaupt mitdiskutiert hat…), beschließen wir, einen Hotelgutschein für Österreich in Form eines Wertgutscheines zu bestellen. Den kann man einfach in beliebiger Höhe ausstellen und sich bequem zuschicken lassen. Sogar das Design des Gutscheines kann man bestimmen. Und gültig ist der Gutschein dann für alle Falkensteiner Hotels. Da können die Schwiegereltern dann selbst aussuchen.

Den Gutschein bestellen soll allerdings diesmal wirklich mein Mann selbst - soviel kann man schon verlangen. Und vielleicht hat er ja auch meinen dezenten Hinweis auf den Asiatrip nach Leoben verstanden und ich finde unterm Christbaum selbst auch einen Überraschungs-Gutschein …

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K’nexUbongoHalliGalliWiiHedbanzDominion-Wo war’s?

geschrieben von: Edith Schillinger - am 24. November 2009
Edith Schillinger

Eines ist fix: ein Gesellschaftsspiel gehört auf jeden Fall drauf, auf den Wunschzettel ans Christkind. Aber welches bloß? Bei der unüberschaubaren Vielfalt an Brett-, Karten-, Geschicklichkeits-, Reaktions-, Strategie-, Würfel-, Glücks- und sonstnochwas-Spielen fällt die Entscheidung echt schwer. Wie gut, dass es da Spielefeste gibt, wo man nach Lust und Laune das riesige Angebot testen kann.

Schon seit Wochen haben sich die Kids auf diesen Sonntag gefreut. In der Früh packen wir einen Rucksack voll Proviant sowie meine spielfreudige Schwester (samt ihrer allseits beliebten Blätterteigkipferln) ins Auto und ab geht’s nach Wien, auf’s große Spielefest im Austria Center. Einfahrt Parkgarage: 9.37 Uhr. 9 ½ Stunden Spielerummel liegen also theoretisch vor uns. So lange werden wir’s mit den Kids sicher nicht schaffen. Aber das haben wir letztes Jahr auch geglaubt und tatsächlich doch bis zur Sperrstunde um 19 Uhr durchgehalten.

Unser Spielefest-Debüt war 2006, als Astrid 4 ½ und Gregor 2 ½ Jahre jung waren. Seither kommen wir Jahr für Jahr mit Kind und Kegel, streifen zunächst durch die Hallen im Erdgeschoss, bevor wir uns um die Mittagszeit einen Tisch im riesigen Konferenzzentrum suchen, um dort zunächst die Kipferln und danach ein Spiel nach dem anderen auszupacken. Ausleihen kann man diese gegen Vorlage eines Spielepasses, den man wiederum gegen Vorlage eines Ausweises bekommt.

Um gleich den Kritikern solcher Massenaufläufe zuvor zu kommen: Ja, es ist unglaublich viel los. Ja, es herrscht ein unangenehmer Geräuschpegel, der allmählich reizbar und müde im Kopf macht. Ja, auch die Kinder werden ungeduldig und protestieren, wenn man zuviel Zeit mit dem Durchlesen der Spielregeln verplämpert. Und und und…

Dagegen hilft z.B. ein Tisch im hinteren, ruhigeren Bereich des Saales. Man muss zwar weiter gehen, um zur Spielothek zu kommen, aber die Bewegung zwischendurch tut ja auch gut. Ein hoher Erwachsenen-Anteil hilft, die mühsamen Studier-Phasen zwischen den Spielen möglichst kurz zu halten (noch während ein Spiel fertig gespielt wird, bereitet sich jemand schon auf das nächste vor). Genügend Trink-, Nasch- und Knabber-oder aber Flanier-Pausen lockern den Tag ebenfalls auf.

Um euch einen Eindruck zu geben, was wir geschafft haben, an diesem Tag so alles unterzubringen - hier eine Auflistung der Spiele, die wir am Sonntag ausprobiert haben: Minotaurus von Lego, Finger-Skateboard, Konstruktionssystem K’nex, Hedbanz, Wii Littlest Pet Shop, Playstation FIFA10, Wo war’s?, Blitzmerker, Atlantis, Laura und das chinesische Feuerwerk, Halli Galli Deluxe, Shaun das Schaf - Köttel-Alarm, Wendy im Galopp, Spiel des Lebens, Land in Sicht, Polizei-Alarm und Burg der 1000 Spiegel (die letzten drei haben den Kids am besten gefallen). Außerdem haben wir uns Dominion, Die Tore der Welt, Cuba und Ubongo 3D kurz erklären lassen.      UFF! 

Wir sind erledigt und verlassen das Austria Center um 19.11 Uhr. Und dennoch: Noch vor dem Schlafengehen überkommt Gregor die Wehmut: „Jetzt muss ich wieder ein ganzes Jahr warten, bis ich da wieder hin kann.” Schluchz. Immerhin haben wir so unsere Favoriten gefunden und erst jetzt kann der Brief ans Christkind geschrieben werden. Oder vielleicht verschieben wir das noch um eine Woche, denn am kommenden Wochenende steigt das Spielefest auf der Schallaburg! Und ein paar Spiele gäb’s schon noch, die wir noch ausprobieren wollten …

Harte Schale - Weicher Kern

geschrieben von: doalittle - am 20. November 2009
doalittle

Oft habe ich gehört: “Wie hältst du das alles aus?” “Wie schaffst Du das?”

Sind es einfach nur Worthülsen, ernstgemeinte Bewunderung oder werden tatsächlich ehrliche Antworten erwartet?

In der Vergangenheit habe ich oft die Erfahrung gemacht, es ist besser nach englischer Manier zu sagen: “Danke, wie geht es Dir?” Und wir haben die Frage bereits mit einer Gegenfrage beantwortet. Keiner erwartet tatsächlich in der Folge ein tiefgreifendes Gespräch. Warum auch? Zwischen Tür und Angel haben die meisten ohnehin keine Zeit und Geduld. In den letzten Tagen habe ich jedoch das Gefühl, dass die Fragen an mich tatsächlich sehr ernst gemeint sind. Allerdings hat irgendetwas in der letzten Zeit meine harte Schale etwas aufgeweicht - Maroni soll man übrigens ein wenig einweichen. Dann können diese besser eingeritzt und gebraten werden. Das erleichtert das Schälen und die Maronis bleiben zarter. - tja, und wenn die Schale mal etwas zu weich ist und tatsächlich bereits eine Ritze enthalten ist, fühle ich mich etwas schutzlos. Da reicht schon ein schiefer Blick oder vielleicht eine kleine Kritik und der Kern löst sich auf. Nichts kann mich mehr zurückhalten und daher hilft nur mehr der Weg in die Öffentlichkeit mit einer dicken Sonnenbrille. Selbst in den Gebäuden wird diese nicht abgenommen und glücklicherweise kann man sich auch hinter der eigenen Mähne ein wenig verstecken. Nun, sehr attraktiv dürfte ich in diesem Zustand nicht wirken. Aber glaubt mir - derzeit habe ich keinerlei Bedürfnis mit meiner Aussenwelt wirklich zu kommunizieren. Das Problem dabei ist, dass ich auf diese Art und Weise ernstgemeinten Fragen in keinem Fall eine Antwort geben kann, geschweige denn jemandem in die Augen sehen kann.

Eines stimmt mich jedoch positiv, dass dieser Zustand vorübergehend ist und es war klar, dass irgendwann der aufgestaute Stress abgebaut werden muss. Danach kann ein neues Kapitel in meinem Leben beginnen. Manchmal schäme ich mich dafür, dass ich es nicht geschafft habe, vor meinen Kindern die Tränen getrocknet zu haben. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn alle sind sie wie kleine Lämmchen und verhalten sich sehr still und leise. Sie sind auf einmal hilfsbereit, friedlich und zeigen sich von der besten Seite. So ein Nachmittag kann sehr angenehm sein und verschafft ein wenig Ruhe. Eine liebe Freundin war so entsetzt über meinen Ausbruch, dass sie mich sofort daheim aufgesucht hat und uns alle mit Leckereien verwöhnt hat. Leid hat sie mir getan, weil sie einfach nicht wußte, wie sie mir helfen soll und feststellen mußte, dass es Situationen gibt, in welchen man jemandem einfach nicht mit Tipps und guten Sprüchen helfen kann. Und eigentlich war eine blose Umarmung meiner Tochter das Wärmste und hat mich am meisten getröstet.

Mit vielen Dinkelsäcken, Schockolade und gemeinsamem Lesen werden wir diesen trüben Tag, obwohl die Sonne so herrlich war, beenden. Und morgen essen wir jede Menge Nüsse und Maroni. Nachdem wir keinen Nussknacker haben, muss ein simpler Schnitzelpracker herhalten. Die Burschen haben in jedem Fall eine Menge Spass und können ungehindert Ihre Kraft und Ausdauer einsetzen. Man glaubt gar nicht, wie lange die Kinder mit einer derart simplen Beschäftigung konzentriert bei der Sache bleiben können. Und ich hoffe, dass nicht so bald ein neuer Hammerschlag meine derzeit hauchdünne Hülle durchbrechen wird.

Leopoldi - alles sehr schleierhaft!

geschrieben von: Edith Schillinger - am 17. November 2009
Edith Schillinger

„American Beauty” - ist euch dieser oscarprämierte Blockbuster noch im Gedächtnis? Da gibt es doch diese eine Szene… - nein, nicht die mit den Rosenblättern -, sondern wo der voyeuristisch angehauchte Nachbarsjunge der Filmtochter von Kevin Spacey ein Video zeigt, wo „nur” ein vom Wind hochgetragenes und immer wieder durch die Luft tanzendes Plastiksackerl zu sehen ist. Die reine Poesie.

Am Samstag hatte ich mit meinen Kids in Klosterneuburg ein vergleichbares Erlebnis: Von der Hundskehle (was für ein seltsamer Name für eine Straße) führt eine Stiege direkt zur Stiftskirche hinauf. Als vor uns die beiden Spitztürme des gewaltigen Gotteshauses auftauchen, sehen wir in der Ferne, auf den menschenleeren Stufen direkt vor dem Hauptportal irgendetwas Weißes auf ähnlich reizvolle Weise durch die Luft wirbeln.

„Der Schleier!” - Astrid ist entzückt und ich auch. Ich freue mich vor allem darüber, dass sie offensichtlich interessiert zugehört hat, als ich den Kids während der Fahrt nach Klosterneuburg die „Schleier-Legende” erzählte … vom Markgraf Leopold III., der vor rund 900 Jahren Agnes geheiratet hat und deren Hochzeitsschleier plötzlich vom Winde verweht wurde. Neun Jahre später fand sich das gute Ding komplett unversehrt in einem Hollerbusch in den Donauauen wieder und aus Dank ließ Leopold hier eine Kirche errichten. Soweit die Legende zur Stiftsgründung.

Und jetzt empfängt uns dieser Schleier mit seinem magischen Tanz zu Füßen des Stiftes - wie zauberhaft! Bei näherer Betrachtung erweist sich der Schleier dann doch „nur” als Plastiksackerl … schade, dass ich meine Videokamera nicht dabei habe.

Dennoch bleiben wir an diesem Nachmittag dem „Schleier-haften” Thema treu, denn gleich nach dem obligatorischen Fasslrutschen im Binderstadl, aber noch bevor wir uns ins Gewühl des traditionellen Leopoldifestes samt Karussell und Autodrom schmeißen, nehmen wir im Stift Klosterneuburg am Kinder-Workshop „Leopold und Agnes - vom Winde verweht” teil. Den Anfang macht ein Besuch im Stiftsatelier, wo die Kids Moosgummi-Stempel selbst gestalten und damit einen zarten Schleier bedrucken dürfen. Während die Schleier dann zum Trocknen zurückbleiben, streifen die Kinder mit ihrer Betreuerin Doris durch den riesigen Komplex, bestaunen den berühmten Verduner Altar als kostbarstes Ausstellungsstück und besichtigen im Stiftsmuseum ausgewählte Exponate: u.a. vier Gemälde, auf denen die Schleierlegende dargestellt ist, den riesigen Babenberger Stammbaum, die wunderschöne Schleiermonstranz, die an einen Hollunderstrauch erinnert und auch den Reisealtar Leopolds, aus dem doch tatsächlich - ich glaub es kaum - der mit Goldfäden durchwirkte Original-Schleier der Markgräfin Agnes hervorblitzt.

Ja, den gibt es wirklich! Bisher war die Legende für mich eine nette, mehr oder minder wahre Geschichte aus alten Tagen, doch durch diesen überraschenden Anblick bekommt sie einen erstaunlich realen Bezug. Und überhaupt - eine derart lange Haltbarkeit hätte ich dem hauchdünnen, kunstvoll verzierten Gewebe ehrlich gesagt gar nicht zugetraut. Dem Plastiksackerl schon eher - aber das ist eine andere Geschichte.

Astrid+Gregor_mit_Stempel

Engel in weiß oder doch bunt und glitzernd

geschrieben von: doalittle - am 13. November 2009
doalittle

Ach ja, Engel - das verbinden wir doch alle mit unserer Kindheit. Manche kennen sie sogar, ohne Flügel - aber sie sind da und allgegenwärtig. Gut, ich bin gerade sehr beeinflusst, von Robbie Williams Comeback einem Buch von Cecelia Ahern “Zwischen Himmel und Liebe” und natürlich der Vorbereitung auf die Erstkommunion meines kleinen Mädchens.

Aber wer hat nicht von Engeln geträumt, ein Schutzengerl herbeigesehnt. In der Winterzeit erinnern wir uns wieder vielfach daran und die wunderbare Schneelandschaft verbinde ich immer mit eindrucksvollen Erlebnissen. Sobald der erste Schnee vorsichtig den Erdboden zudeckt und eine stabile flaumige Hülle darauf liegen bleibt, werfen sich meine Kleinen hinein, strecken Arme und Beine aus und formen Engelsfiguren. Ganz besonders toll sind sie von einem Balkon aus zu betrachten und ich geniesse es sehr. Vor ein paar Tagen hat mein älterer Sohn bereits stolz seinen ersten Schneemann gebaut. Dieser hat eine beachtliche Größe von 12 cm erreicht! Wer bietet mehr ;-) Wenn ich dann noch einen wohlig warmen und duftenden Punsch in Händen halte und das Knistern des Holzes in der Feurschale wahrnehme und meinen Geschmackssinn wieder auf die vorweihnachtliche Zeit sensibilisieren kann, dann meine ich bereits die Nähe der Engel wahrzunehmen. Das Liebste ist mir am verschneiten Winter die Sanftheit der Natur. Alles ist gedämpft, wirkt sauber und strahlt eine gewisse Ruhe aus. Es muss nicht einmal die Sonne dazu scheinen und auch eine empfindliche Kälte ist bei einer entsprechend dicken Schneedecke, vorzugsweise Neuschnee, zu ertragen und lädt zum Verweilen im Freien ein.

Meistens erwische ich mich mit den Kindern dabei, dass wir sehr spät, wenn schon lange die Dunkelheit eingebrochen ist, den Einkehrschwung Nachhaus schaffen. Total erschöpft, aber mit rosigen Wangen, freuen wir uns dann auf eine gut bürgerliche österreichische Küche und schaffen es dann gerade noch ins Bett. Manchmal schlafen wir mitten in der Zeile einer GuteNachtGeschichte friedlich zusammen kuschelnd ein.

So und nun wißt ihr, warum ich gerade Angebote für einen solchen Winterurlaub einhole. Weihnachten werden wir daheim im gewohnten Ritual und im Kreise der Familie verbringen, aber danach sehnen wir uns schon nach den oben beschriebenen Erlebnissen. Nachdem man diese in der Nähe einer Großstadt nur schwer findet, juhuuuu, ab in die tief verschneite österreichische Bergwelt. Ich bin schon neugierig, wohin es uns dieses Jahr verschlagen wird.

Das einzige was ich mir noch wünsche: Einen Engel, welcher mich mit den Kindern begleitet, mit uns die Freude teilt und die Nähe, Sicherheit und Wärme schenkt. Diese Dinge fehlen mir derzeit so sehr und ich brauche sie dringend als Kraftquelle für das neue Jahr.

Dieses war der erste Streich …

geschrieben von: Edith Schillinger - am 9. November 2009
Edith Schillinger

Zunächst war ich mehr als skeptisch. Ich gehöre wohl zu jenen Müttern, die ihre Kinder vor zuviel roher Gewalt in Märchen behüten wollen. „Hänsel und Gretel” z.B. habe ich meinen Kindern erst unter Protest vorgelesen, als sie es vehement einforderten. Einen großen Bogen machte ich bis vor kurzem auch um „Max und Moritz”. Die berühmte „Bubengeschichte in sieben Streichen” von Wilhelm Busch aus dem Jahre 1865 ist aufgrund der vielen Gewaltszenen auch bei Pädagogen nicht unumstritten. Wer’s vergessen (oder verdrängt) hat: die beiden Lausbuben werden - nachdem sie immerhin den Backofen überlebt haben - am Schluss doch tatsächlich durch die Getreidemühle gedreht und als Körndlfutter von den Enten verspeist. Ansonsten werden im Laufe der Geschichte noch drei Hühner, ein Hahn und zahlreiche Maikäfer abgemurxt und es gibt einige Mordversuche. Eine für meine Begriffe doch recht grausame Geschichte, mit der ich meine Kids anfangs wirklich nicht konfrontieren wollte.

Erst die Beschreibung zur Ballettkomödie „Max und Moritz“, die derzeit in der Wiener Volksoper aufgeführt wird, ließ mich umschwenken. Denn hier wurde versprochen: „… es wird gesungen und gesprungen, geprügelt, gebügelt, gezupft und gerupft, gefoppt und gekloppt, gerüttelt, geschüttelt, geneckt und verreckt…”. Das klang irgendwie doch nach knallfroschbunter Unterhaltung im Kinderformat.

Und seit gestern Abend wissen wir - es wurde nicht zuviel versprochen. Im Gegenteil: zusätzlich wurde gekitzelt und gewitzelt, gekeppelt, vereppelt, geschubst und gestupst, gelitten, geschnitten, gemampft und gestampft, gesägt und gepflegt, verschleppt und gesteppt, es hat laut gekracht und ebenso wurde gelacht.

Das hinreißende Bühnenbild entführt direkt hinein in Buschs berühmte Buchillustrationen, die zauberhaften Kostüme sind ein Kunstwerk für sich, die vor Übermut schäumende Choreografie großartig. Raffiniert und fantasievoll ist auch die szenische Umsetzung der einzelnen Streiche gelungen. Im Vorfeld haben meine Kids nämlich gerätselt, wie man es auf der Bühne denn darstellen könnte, wenn Max und Moritz zuerst ins Mehl, dann in den Teigtrog fallen und im Ofen gebacken werden, bevor sie sich aus der Kuchenkruste rausknabbern oder ob die Maikäfer in Onkel Fitzens Bett in Form von verkleideten Menschen oder als Requisiten (oder vielleicht sogar in echt?) daher kommen … Lasst euch überraschen!

Zugegeben, trotz alledem bleiben die Grausamkeiten das, was sie nun mal sind. Und es ist auf jeden Fall anzuraten, die Geschichte vorab mit Kindern zu lesen und zu besprechen. Ein wenig versöhnlich kommt immerhin das Ende der Ballettaufführung daher: Was auch immer mit den Lausbuben dieser Welt geschehen mag, es kommen immer wieder welche nach!

Wie es meinen Kids gefallen hat? Selten habe ich die beiden von einer Vorstellung so schwärmen gehört: „Noch hundertmillionentausend Mal möcht ich das anschauen!” In diesem Sinne würde ich die Überschrift gerne mit „… und der zweite folgt sogleich” komplettieren und am liebsten gleich nochmal rein in die Vorstellung.

Familienurlaub in Südtirol - wo alles begann

geschrieben von: Freigeist - am 7. November 2009
Freigeist

Als Armin Assinger vor einigen Jahren das erste Mal Werbung für die Falkensteiner Hotels (vorrangig für jenes in seiner Heimat Nassfeld/Hermagor) machte, hab ich ja geglaubt, dass Falkensteiner eine Kärntner „Erfindung” sei. Doch inzwischen weiß ich, dass das Stammhaus im Südtiroler Pustertal liegt - sozusagen an der Verbindung zwischen Brennerautobahn und Osttirol, nahe der gewaltigen Gebirgslandschaft der Dolomiten. Hier - im relativ unspektakulären Ort Ehrenburg mit gleichnamigem Schloss - kauften vor 52 Jahren Maria und Josef Falkensteiner ein Grundstück an einem kleinen See und eröffneten eine Pension mit sieben Betten. Einige Jahre später wurde die Pension zum Falkensteiner Lido Ehrenburgerhof ausgebaut und damit zum ersten Familienhotel in Südtirol, das Dusche und WC im Zimmerbereich unterbrachte. 1973 wurde sogar das erste hoteleigene Hallenbad Südtirols geschaffen, ein Jahr darauf die erste Hoteldisco in ganz Südtirol. Wir sehen also: bei der Familie Falkensteiner muss es sich wohl um wahre Visionäre und Vorreiter in Sachen Hotellerie und Tourismus handeln. Denn was dort 1957 im Kleinen begann, ist heute Teil einer international erfolgreichen Unternehmensgruppe, die 22 Hotels in Italien, Österreich, Tschechien, Kroatien und in der Slowakei betreibt. Außer dem Lido Ehrenburgerhof gehören noch drei weitere Hotels im Pustertal zur Falkensteiner-Gruppe, die jedoch eher das Wellness-Publikum ansprechen.

Trotz der ganzen Nostalgie rundherum bietet das „Lido” in Ehrenburg aber keineswegs verstaubtes Ambiente oder einen veralteten Standard, denn es wurde ständig an der Qualitätssicherung des Hauses gearbeitet und so präsentiert sich das Haus mit seinen 94 Zimmern und Suiten heute nach wie vor als Familienhotel erster Güte. Davon konnte sich auch eine Freundin von mir im vergangenen Sommer überzeugen. Sie buchte für ihren 9jährigen Sohn das Naturdetektiv-Camp, bei dem Kinder ab sechs Jahren unter der Leitung von Experten an fünf Tagen die verschiedenen Aspekte der Südtiroler Natur erkunden: zunächst machten sie den Wald unsicher, am nächsten Tag war das Wasser dran, an Tag 3 wurde das Überleben in freier Natur geprobt, danach erhielten sie Einblick in die Natur bei Nacht und am fünften Tag stand ein Besuch auf einem Lehr-Bauernhof auf dem Programm. Ein Familien-Natur-Fest samt Naturdetektiv-Diplom-Verleihung bildete den Abschluss der lehrreichen Urlaubswoche. Das nenn ich doch ein zeitgemäßes Angebot!

Video - Falkensteiner Familienhotels

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Free HUG - Diamanten der Freundschaft

geschrieben von: doalittle - am 6. November 2009
doalittle

Neuerdings kann man sich auf dem Stephansplatz eine kostenfreie Umarmung gönnen. Manche finden das vielleicht amüsant. Für mich stellt es ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft dar und will darauf hinweisen, wie gefühlsarm wir leben und welche emotionale Kälte uns manchmal umgibt.

Gerade zu dieser Jahreszeit empfinden wir den Kälteeinbruch als sehr störend. Selber werde ich manchmal etwas wehmütig, wenn ich den Duft wahrnehme und regelrecht weiß, jetzt hat der Herbst begonnen. Es ist immer wieder aufs Neue ein Abschied nehmen – Abschied von der Blumenpracht, den frischen Knospen der Blüte, dem fröhlich wuchernden Unkraut. Natürlich hat der goldene Herbst, sowie die reichliche Ernte seinen Reiz und wenn uns wie dieses Jahr die Sonne einen Aufenthalt im bunten Blätterwald oder den Weinbergen gönnt, dann fühle ich mich etwas getröstet von der Farbenpracht und dem besonderen Glanz des Sonnenlichts. Sobald aber der starke Wind die letzten lieblichen Blätter gnadenlos von den bald kahlen Zweigen reisst, weiß ich, dass der Winter in schnellen Schritten kommt.

Heuer ist der Herbst ein Besonderer. Lange Zeit habe ich diese intensiven Wechsel der Jahreszeiten vermisst und diesmal haben sie sich in all ihren Vorzügen gezeigt. Die dicke Nebeldecke lädt zum Verweilen im warmen Zuhause ein und man hat das Bedürfnis sich jemandem anzuvertrauen, ihm die Geheimnisse der erlebten Monate oder eines Lebensabschnittes zu erzählen. Es ist ein Abschied nehmen von vielen Dingen, verarbeiten und die Aussicht auf einen Neubeginn im kommenden Frühjahr mit aller Frische, Zuversicht und Selbstvertrauen. Doch manches Mal tut hier einfach eine feste Umarmung gut. Sie gibt uns eine Menge Kraft und das Gefühl nicht allein zu sein. Und da liegt, denke ich das Hauptproblem. Im Herbst und Winter müssen wir unseren Schweinehund überwinden, um uns von unserer warmen Höhle zu entfernen. Tun wir dies nicht, verweilen wir oft alleine in dieser Höhle und wir müssen schon ein sehr gesundes Selbstbewusstsein haben, um in dieser Einsamkeit Kraft schöpfen zu können. Je nach den erlebten Situationen fällt uns das mal leicht und dann auch widerrum besonders schwer, wenn nicht sogar unmöglich.

Natürlich ist auch nicht jede Umarmung gleich – je nach Wahrnehmung bei der betroffenen Personen kann es bis zu einer Verschmelzung beider Auren kommen und das ist einfach wunderbar. Wer wissen will, wie sich das anfühlt, sollte vielleicht einfach mal anfangen öfters zu umarmen. Wovor haben wir Angst – vor der Ansteckung an der Schweinegrippe ;-) – nein, na dann, los geht’s – fangen wir einfach an. Ich werde in jedem Fall meine Kleinen jetzt ganz bewusst immer wieder umarmen. Und zwar bewusst und ohne zeitlichen Druck und GENIESSEN.

Ein Hoch dem Drachen

geschrieben von: Edith Schillinger - am 4. November 2009
Edith Schillinger

Eddie Birdie ist kaputt, die Querstrebe ist futsch. Den grünen Drachen mit lustigem Vogeldesign und langem Mascherl-Schwanz haben wir unserer Tochter im ersten Herbst ihres Lebens geschenkt und er war gerade in der Luft, als ich ein Jahr später meinen Lebensgefährten über die zweite Schwangerschaft informierte. Kurzum - wir hängen an Eddie Birdie. Nachdem er einige Jahre ungenutzt im Keller schmollte und in der Zwischenzeit durch eine billige Winnie Puuh-Variante, einen Drachen im Flugzeug-Format sowie einen fliegenden Seestern abgelöst wurde, packte ich ihn auf Verdacht mit ein, als ich mit den Kids auf das Drachenfest nach Tulln/Donau fuhr.

Drachensteigen … das ist doch (neben Kastanien sammeln und in bunte Knister-Knaster-Laubhaufen hüpfen) eine der klassischen Herbstbeschäftigungen mit Kindern. Aber - Hand aufs Herz - habt ihr mit eurem Nachwuchs heuer schon Drachen steigen gelassen? Wenn nicht, empfiehlt sich der Besuch eines der vielen Drachenfeste, die im Herbst landauf, landab abgehalten werden. Schon der Anblick der unterschiedlichsten Drachentiere - vom harmlosen Schmetterling bis hin zum gefährlichen Hai -, die da so fröhlich durch die Luft tanzen, macht Lust und Laune. Außerdem können sich Kinder auf solchen Festen unter Anleitung ihre Drachen auch oft selber basteln. Und wenn’s mit der eigenen Starttechnik nicht so klappt, kann man sich abschauen, wie die Profis ihre Drachen trotz widriger Windverhältnisse in die Luft bringen.

In Tulln angekommen, will Gregor sein Flugzeug und Astrid ihren Seestern ins Rennen schicken - am besten gleichzeitig. Was ein bisschen stressig ist, wenn man alleine mit zwei Kindern ist und von einem erwartet wird, die Drachen trotz recht flauem Lüftchen ratzfatz hoch in den Wind zu stellen. Da ist die Frustration nicht weit. Zum Glück finden wir auch noch anderes zu tun: Die Veranstalter des Drachenfestes lassen Zuckerl vom Himmel regnen, wir verfolgen die Leine eines gesunkenen Riesendrachens wie bei einer spannenden Expedition quer durch ein Kukuruzfeld und entdecken auch noch ein süßes Ferkel, das in einem kleinen Gehege abseits des Rummels lebhaft herumhüpft.

Und Eddie Birdie? Dem verhilft ein netter Tiroler Drachenspezialist mittels neuer Strebe doch tatsächlich zu neuem Leben. Leider hat sich in der Zwischenzeit allerdings der Wind komplett gelegt und wir verschieben seine feierliche Wiederauferstehung auf einen etwas windigeren Tag. „Aber ganz bald!”, wünschen sich die Kids - wenn uns da nur nicht der Winter zuvorkommt…

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